Septimius-Severus-Bogen



Übersicht

  • Septimius-Severus-Bogen in severischer Zeit (um 210 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Septimius-Severus-Bogen in tetrarchischer Zeit (um 310 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Septimius-Severus-Bogen (203 n.Chr.)
  • Septimius-Severus-Bogen, diocletianischer Umbau (spätes 3. Jh. / frühes 4. Jh. n.Chr.)
  • Septimius-Severus-Bogen in severischer Zeit (um 210 n.Chr.), topographischer Überblick
  • Septimius-Severus-Bogen in tetrarchischer Zeit (um 310 n.Chr.), topographischer Überblick

Errichtung: 203 n.Chr.

Umbauten: Veränderungen in der Zugänglichkeit der Durchgänge im späten 3./frühen 4. Jh. n.Chr.

Funktion: Ehrenbogen, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Tetrarchisch Severisch


Die Errichtung des monumentalen Ehrenbogens für Septimius Severus muss wie ein Donnerschlag gewirkt haben. Über 100 Jahre hatte das Forum keine tiefgreifenden Eingriffe in seine bauliche Substanz mehr erfahren und war von den Kaisern der antoninischen Dynastie kaum als Raum für eine aufsehenerregende kaiserliche Repräsentation gesucht worden (s. Antoninisch). Mit dem Auftritt der severischen Dynastie sollte sich dies jedoch schlagartig ändern: Sie suchten offensichtlich das Forum wieder als eine zentrale Bühne ihrer ambitionierten Repräsentation. Nichts zeigt dies deutlicher als der Severusbogen an der Westseite des Forums.

Geschichte und Ideologie

Der dreitorige Bogen, der noch heute fast vollständig erhalten ist und den Abschluss des Forums auf seiner Westseite beherrschend prägt, wurde vom Senat im Jahr 203 n.Chr. zu Ehren des Kaisers Septimius Severus und seiner Söhnen Caracalla und Geta gestiftet. Der Anlass für dieses Ehrenmonument war ein doppelter: Die Widmungsinschrift auf der Attika des Bogens benennt als Grund für die Ehrung, dass er „den Staat wiederhergestellt und das Reich des römischen Volkes erweitert hat“ (OB REM PVBLICAM RESTITVTAM IMPERIVMQVE POPVLI ROMANI PROPAGATVM). Damit wird auf zwei Taten des Septimius Severus verweisen, die die ersten Jahre seiner Herrschaft prägten: die Beendung der bürgerkriegsartigen Unruhen, innerhalb derer er sich gegen seine Kontrahenten durchgesetzt und sich den Kaiserthron gesichert hatte (193 und 195-197 n.Chr.), und sein siegreicher Krieg gegen die Parther (195 und 197/98 n.Chr.), der zur Einrichtung der neuen Provinzen Mesopotamia und Osrhoene führte. Die hier betont gesuchte Verknüpfung der außen- und innenpolitischen Erfolge und explizite Feier des Kaisers als Retter des Staates ist freilich verräterisch: Allzu deutlich wird hierin, wie sehr sich Septimius Severus in seiner kaiserlichen Repräsentation bemühte, das Manko in der Legimitation seines Herrschaftsanspruches zu kompensieren (schließlich hatte Usurpation ihm den Kaiserthron beschert).

Ebenfalls bezeichnend für die Herrscherideologie des Septimius Severus ist, dass auf dem Bogen – sowohl in der Inschrift als auch in seinem Bildschmuck – nicht nur er, sondern auch seine Söhne Caracalla und Geta als Mitgeehrte vorgestellt werden. Hierdurch soll auf die Eintracht und den Fortbestand der neuen Kaiserdynastie und somit auf die Dauerhaftigkeit der durch die Severer garantierten Friedenszeit für das römische Volk verwiesen werden. Die hier versprochene Vision sollte freilich nur bedingt Realität werden. Nach dem Tod des Dynastiegründers Septimius Severus im Jahr 211 n.Chr. ließ Caracalla sofort seinen Bruder Geta ermorden – die Eintracht im severischen Kaiserhaus war zerbrochen. Selbst die Erinnerung an den Bruder wurde auf dem Ehrenbogen ausradiert, indem Caracalla Namen und Porträt des Geta in der Inschrift und im Bildschmuck löschen ließ (damnatio memoriae). Doch der Bestand der severischen Dynastie hielt: Bis 235 n.Chr. sollten Severer den römischen Kaiserthron innehaben.

Funktion und topographische Bezüge

In erster Linie diente der Septimius-Severus-Bogen als kaiserlicher Repräsentationsbau. Wie bei allen Bogenmonumenten bestand seine primäre Aufgabe zunächst darin, die ihn bekrönende Statue des geehrten Kaisers in eine besondere Höhe zu heben und sie damit über alle anderen Ehrenstatuen und Monumente herauszuheben – als symbolische Inszenierung einer ganz einzigartigen Ehrung in Reaktion auf ebenso einzigartige Verdienste. Dies gelang beim Severusbogen insofern eindrücklich, überragte doch der Bau dank seiner außergewöhnlichen Monumentalität (mit einer Höhe über 20m) alle anderen Ehrenbögen und sonstigen Monumente am Forum und stellte somit nahezu das gesamte Forum in seinen Schatten.

Ebenso geschickt war sein Standort gewählt: Nördlich an die Rostra Augusti anschließend erhob er sich zwischen der Rednertribüne und dem Bereich des Comitiums. Damit war ein Raum eingenommen, der seit alters her von hohem Prestige für die politische Repräsentation war: Hier am Rand des Comitiums standen schon in der Republik die herausragenden Monumente der siegreichen und triumphierenden Feldherrn – und hier hatten eventuell auch die frühen Ehrenmonumente des Augustus (columnae rostratae Augusti und Actiumbogen) ihren Standort. Bemerkenswert an der Lage des Severusbogen war dabei auch, dass er direkt die prominente Route der via sacra, der wichtigsten Prozessionsstraße am Forum, hier im Bereich des Comitium überspannte. Damit okkupiert der Bogen mit seiner Position einen der wichtigsten Punkte innerhalb der Strecke, die die Triumphzüge über das Forum nahmen. Insofern fungierte der Bau zugleich auch als Durchgangsbogen. Wie sehr dabei jedoch zunächst der repräsentative Charakter dominierte, zeigt sich darin, dass der Bogen in severischer Zeit nur über Stufen zu durchqueren war, was seine Funktionalität als Durchgangsbogen einschränkte. Erst in tetrarchischer Zeit wurde der mittlere Durchgang mit einer durchgehende Straßenrampe zugänglich gemacht (zu den einzelnen Phasen s.u.).

Der repräsentative Anspruch des Severusbogens wurde schließlich nochmals durch seine topographischen Bezüge gesteigert. Nach Süden hin trat er in Dialog mit dem dort stehenden Tiberiusbogen, nach Südosten mit dem Partherbogen des Augustus. Vor allem die Gegenüberstellung mit dem dreitorigen Partherbogen auf der schräg gegenüberliegenden Seite des Forums erschloss ein weiteres ideologisches Potential: So wie der Bogen des Augustus auf dessen Sieg über die Parther verwies, der damals wiederum als Voraussetzung für die eintretende Friedenszeit (aurea aetas) und Wiederherstellung des Staates galt, beanspruchte nun der 200-Jahre jüngere Bogen eine vergleichbare Leistung. Damit wurde Septimius Severus direkt mit dem ersten Kaiser Roms verglichen und als der wahre Erbe des Augustus stilisiert.

Bildschmuck des Bogens

Der ungemein reiche Bildschmuck des Bogens verwies auf den Sieg des Septimius Severus über die Parther und stellte damit die außerpolitischen Siege – im Gegensatz zu den innerpolitischen Kämpfen – in den Vordergrund. Nach Ausweis von Darstellungen auf zeitgenössischen Münzprägungen bekrönte die Attika eine Statuengruppe, die den Kaiser sowie seine beiden Söhne im Triumphwagen zeigte, welcher von sechs Pferden (statt von vier wie normal) gezogen wird; Reiterstatuen flankierten den Triumphwagen.

Auch der prächtige Reliefschmuck, der den eigentlichen Bogen überzieht, betont nachdrücklich die militärischen Erfolge des Septimius Severus und seiner Söhnen. In den beiden Zwickeln über dem zentralen Durchgang erscheint im Relief jeweils die Siegesgöttin Victoria, die eine parthische Siegestrophäe (an der charakteristischen parthischen Bekleidung zu erkennen) in der Hand hält. Diese Siegeszeichen reichen sie symbolisch dem Kriegsgott Mars entgegen, der prominent auf den Schlusssteinen über dem zentralen Bogen dargestellt ist. Über den seitlichen Durchgängen des Bogens sind auf beiden Seiten großformatige Reliefs angebracht, die die Belagerung und Kapitulation verschiedener Städte im Zuge der Feldzüge gegen die Parther darstellen. Der Kaiser selbst erscheint in jeder dieser vier Szenen. Ein schmaler Fries unterhalb dieser Reliefplatten zeigt den Triumphzug über die Parther. Auf den Podesten der insgesamt acht Säulen (vier auf jeder Seite), die die Eingänge rahmen, befinden sich ferner auf allen sichtbaren Seiten Reliefs, die römische Soldaten mit gefangenen Parthern zeigen.

Ruine und Rekonstruktion

Da der Septimius-Severus-Bogen im Mittelalter in einen Festungsbau integriert war, hat sich seine Bausubstanz bis heute fast vollständig erhalten (zu Bildern des heutigen Erhaltungszustandes s.u.). Das ermöglicht es, wie bei nur wenigen Bauten am Forum der Fall, sich eine nahezu authentische Vorstellung von der historischen Wirkungskraft dieses monumentalen Baus am antiken Forums zu verschaffen. Unsicherheiten bei der Rekonstruktion des Baus ergeben sich lediglich im Bereich der drei Durchgänge, was ihre Zugänglichkeit betrifft: Hier ist die einstige severische Situation durch die späteren Eingriffe in tetrarchischer Zeit gestört.

(EH)

 

Druckversion

Zitieren nach: Holter, Erika. „Der Septimius-Severus-Bogen“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/septimus-severus-bogen/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Phase 1

  • Septimius-Severus-Bogen in severischer Zeit (um 210 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Septimius-Severus-Bogen (203 n.Chr.)
  • Septimius-Severus-Bogen (203 n.Chr.)
  • Septimius-Severus-Bogen in severischer Zeit (um 210 n.Chr.), topographischer Überblick


Severisches Bogenmonument

Da der 203 n.Chr. errichtete Bogen gut erhalten ist, ist sein Aufbau sicher rekonstruierbar. Errichtet aus Travertin und Ziegelmauerwerk und dann mit Marmor verkleidet hat der Bogen eine Höhe von 20,88 m, eine Breite von 23,27 m und eine Tiefe von 11,20 m. Der Bogen besitzt drei Durchgänge: einen größeren in der Mitte mit einer Höhe von 12,17 m und Breite von 6,77 m, und zwei kleinere an den Seiten, mit einer Höhe von 7,70 m und einer Breite von 2,97 m. Vier Pilaster sowie vier ihnen vorgestellte verkröpfte Säulen trennen visuell die drei Durchgänge auf jeder Seite. Die auf der eigentlichen Bogenzone ruhende Attika misst in der Höhe 5,54 m. Ein großes Inschriftenfeld nimmt auf beiden Seiten die Attika ein, das dieselbe Inschrift wiederholte. Obwohl die ursprünglichen Buchstaben aus Bronze nicht erhalten sind, ist der Text der Inschrift anhand der Einschnitte, in die die einzelnen Buchstaben eingefügt waren, rekonstruierbar:

IMP (eratori) CAES(ari) LVCIO SEPTIMIO M(arci) FIL(io) SEVERO PIO PERTINACI AUG(usto) PATRI PATRIAE PARTHICO ARABICO ET / PARTHICO ADIABENICO PONTIFIC(i) MAXIMO TRIBVNIC(ia) POTEST(ate) XI IMP(eratori) XI CO(n)S(uli) III PROCO(n)S(uli) ET / IMP(eratori) CAES(ari) M(arco) AVRELIO L(ucii) FIL(io) ANTONINO AVG(usto) PIO FELICI TRIBVNIC(ia) POTEST(ate) VI CO(n)S(uli) PROCO(n)S(uli) [P(atri) P(atriae) / OPTIMIS FORTISSIMISQVE PRINCIPIBVS / OB REM PVBLICAM RESTITVTAM IMPERIVMQUE POPVLI ROMANI PROPAGATVM / INSIGNIBVS VIRTVTIBVS EORVM DOMI FORISQVE S(enatus) P(opulus)Q(ue) R(omanus)

Dem Imperator Caesar Septimius Severus, Sohn des Marcus, Pius Pertinax, Augustus, Vater des Vaterlandes, Sieger über die Parther, die Araber und das parthische Adiabene, Pontifex Maximus, Inhaber der tribunizischen Gewalt zum elften Mal, Imperator zum elften Mal, Consul zum dritten Mal, Proconsul; und dem Imperator Caesar Marcus Aurelius Antoninus, Sohn des Lucius, Augustus Pius Felix, Inhaber der tribunizischen Gewalt zum sechsten Mal, Consul, Proconsul, Vater des Vaterlandes, den besten und stärksten Principes, für die Wiederherstellung des Staates und die Erweiterung des Reiches des römischen Volkes und für ihre außerordentliche Leistungen zu Hause und außerhalb. Der Senat und das Volk von Rom.

Auf der Attika erhob sich der Statuenschmuck, mit dem zentralen Triumphalgespann des Kaisers und seiner Söhne.

Aufgrund des ansteigenden Geländes an der Westseite des Forums erhob sich der Bogen auf seiner Ostseite über dem normalen Laufniveau des anschließenden Forumsareals. Der Niveauunterschied wurde durch eine Treppenanlage ausgeglichen, die von der erhöhten Position der Bogendurchgänge hinab auf die Forumsfläche führte.

Phase 2

  • Septimius-Severus-Bogen in tetrarchischer Zeit (um 310 n.Chr.), topographischer Überblick
  • Septimius-Severus-Bogen in tetrarchischer Zeit (um 310 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Septimius-Severus-Bogen, diocletianischer Umbau (spätes 3. Jh. / frühes 4. Jh. n.Chr.)
  • Septimius-Severus-Bogen, diocletianischer Umbau (spätes 3. Jh. / frühes 4. Jh. n.Chr.)


Veränderungen in tetrarchischer Zeit

In tetrarchischer Zeit wurde das Bodenniveau vor dem Septimius-Severus-Bogen auf der Ostseite nochmals tiefer abgesenkt. In Zuge dieses Eingriffs musste auch der Zugang zum Bogen umgestaltet werden: Nun führte eine gepflasterten Straße rampenförmig auf das Niveau des mittleren Durchgangs. Die Treppen in den seitlichen Durchgängen wurden hingegen tiefer in die Bogenfundamente eingeschnitten und damit verlängert, um die neue Niveauerhöhung auszugleichen.

Phase 3

  • Septimius-Severus-Bogen, heutiges Erscheinungsbild
  • Septimius-Severus-Bogen, heutiges Erscheinungsbild
  • Septimius-Severus-Bogen, heutiges Erscheinungsbild
  • Septimius-Severus-Bogen, heutiges Erscheinungsbild
  • Septimius-Severus-Bogen, heutiges Erscheinungsbild
  • Septimius-Severus-Bogen, heutiges Erscheinungsbild
  • Septimius-Severus-Bogen, heutiges Erscheinungsbild


Ruine

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Erika Holter, Alexander Osterloh)

 

Ausgewählte Bibliographie

R. Brilliant, The Arch of Septimius Severus in the Roman Forum, Memoirs of the American Academy in Rome 29 (Rom 1967).

R. Brilliant, Arcus: Septimius Severus (Forum), in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topograpicum Urbis Romae I (Rom 1993) 103-105.

A. Cooley, Septimius Severus. The Augustan Emperor, in: S. Swain, S. Harrison u. J. Elsner (Hg.), Severan Culture (Cambridge/Mass. 2007) 385-397, bes. 394-395.

S. De Maria, Gli archi onorari di Roma e dell’Italia romana (Roma 1988) 305-307.

Digital Roman Forum, Arcus Septimii Severi, http://dlib.etc.ucla.edu/projects/Forum/reconstructions/ArcusSeptimiiSeveri_1

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I. Rollé Ditzler, Senat und Severer in Rom – Formen medialer Präsenz, in: S. Faust – F. Leitmeir (Hrsg.), Repräsentationsformen in severischer Zeit (München 2011) 220-252, bes. 229-234.