Säulenmonumente an der Südseite



Übersicht

  • Sieben Säulenmonumente in tetrarchischer Zeit (um 310 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Spätantike sieben Säulenmonumente (Anfang 4. Jh. n.Chr.)
  • Spätantike Säulenmonumente im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Spätantike Säulenmonumente im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Spätantike Säulenmonumente, heutiges Erscheinungsbild
  • Spätantike Säulenmonumente, heutiges Erscheinungsbild

Errichtung: Anfang 4. Jh. n.Chr., unter Maxentius oder Konstantin

Umbauten: keine späteren Eingriffe erkennbar

Funktion: Ehrenmonument, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Tetrarchisch


Das heutige Erscheinungsbild des Forum Romanum ist geprägt durch eine sehr markante Reihe von sieben Ehrenmonumenten, die sich entlang der Südseite der freien Forumsfläche erstreckt. Die nur noch fragmentarisch erhaltenen (und teils restaurierten) Sockel aus Ziegelmauerwerk trugen einst hochaufragende Ehrensäulen (z.T. wieder aufgerichtet), welche wiederum mit Statuen bekrönt waren. Die Errichtung der sieben Säulenmonumente ist ein spannendes Zeugnis für die generelle Umgestaltung, die die Forumsfläche in tetrarchischer Zeit erfuhr (s. Tetrarchisch).

Errichtung & Funktion

Das Forum in tetrarchischer Zeit ist geprägt durch vielfältige Eingriffe in seine Bausubstanz: Dabei kommt es einerseits zu Restaurierungsmaßnahmen schon bestehender Bauten, andererseits aber auch zu innovativen Eingriffen, die das Erscheinungsbild des Forums maßgeblich veränderten. Die sieben Ehrensäulen, die sich entlang der Südseite des Forums heute noch erstrecken, gehören zu der zweiten Gruppe. Die genaue Datierung der Monumente ist umstritten, die Datierungsvorschläge schwanken meist zwischen einer Errichtung unter dem tetrarchischen Kaiser Maxentius und einer Aufstellung erst unter Kaiser Constantin I. Aufgrund der Annahme, dass es unter den Tetrarchen zu einer einheitlichen Neugestaltung des Forumsplatzes gekommen ist, wird sogar vorgeschlagen, dass der Umbau der Rostra Augusti, der Neubau der Rostra Diocletiani sowie der Errichtung der sieben Säulenmonumente annähernd gleichzeitig entstanden sein muss, wodurch sich das Forum in neuer Weise zu einer von drei Seiten monumental gerahmten Platzinsel gewandelt habe. Die Datierung der Ziegelstempel, die in den betreffenden Bauten überliefert sind, spricht freilich eher gegen eine gleichzeitige Errichtung: Die Ziegelstempel von den Rostra Diocletiani sind eindeutig diocletianisch zu datieren, die von den Säulenmonumenten an der Südseite hingegen maxentisch (wobei die unterschiedliche Datierung der Ziegelstempel auch kein unumstößliches Argument darstellt, da früher produzierte Ziegel später verbaut worden sein können). Ebenso schwierig wie die Datierung ist auch die konkrete Funktionsbestimmung der Säulenmonumente: Dass sie Statuen trugen, ist unzweifelhaft; die Benennung der betreffenden Statuen und eventuelle Identifizierung der mit diesen Ehrensäulen geehrten Personen (Kaiser? Angehörige des Kaiserhauses?) bleibt hingegen vorerst unklar (s. Tetrarchisch).

Aussehen & Rekonstruktion

Bei Grabungen im südlichen Platzbereich des Forums in den Jahren 1871-1872 legte man sieben bis zu 3,80m Höhe erhaltenen Säulenbasen frei, die jeweils in einem Abstand von ca. 7m die Südseite der Platzfläche einnahmen. Da man im Umkreis zahlreiche fragmentierte monolithe Säulenschäfte fand, ging man davon aus, dass diese den Basen zugeordnet werden können. Entsprechend wurden die Basen zu Ehrensäulen rekonstruiert, wobei man 1899 zwei dieser Säulen (eine kannelierte aus Pavonazetto und eine zweite unkannelierte aus grauem Granit) wieder aufgestellt hat. Aufgrund des äußerst fragmentarischen Zustandes hat man jedoch große Teile dieser zwei Basen mit Ziegeln modern wieder aufgemauert. Für die Rekonstruktion wählte man als Vorbild die wesentlich besser überlieferte sog. Phokassäule, die prominent zwischen den Rostra Augusti und dem Lacus Curtius steht. Dieses ca. 17m hohe Säulenmonument besaß ein quadratisches Postament, worüber pyramidal 6 Stufen hochführten (welche jedoch 1903 teilweise abgetragen wurden und daher heute nicht mehr vollständig sichtbar sind). Darauf folgen eine quadratische Plinthe sowie die Basis für die eigentliche Säule, welche aber aus Spolien errichtet wurde. Die partielle Wiedererrichtung der Säulenmonumente an der Südseite nach dem Vorbild der sog. Phokassäule am Ende des 19. Jh. muss letztlich jedoch hypothetisch bleiben, da sich weder die Höhe der Säulenmonumente aufgrund ihres jetzigen Erhaltungszustandes genau ermitteln lässt, noch ihr konkretes Aussehen. In jedem Fall aber ist zumindest davon auszugehen, dass die Ziegelbasen ursprünglich mit Marmor verkleidet waren; die zugewiesenen fragmentarischen Säulenschäfte lassen eine ungefähre Höhe der Säulenmonumente von ca. 16,50 m annehmen.

(JB)

 

Druckversion

Zitieren nach: Bartz, Jessica. „Die Säulenmonumente an der Südseite“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/saeulenmonumente-an-der-suedseite/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Jessica Bartz)

 

Ausgewählte Bibliographie

F. A. Bauer, Stadt, Platz und Denkmal in der Spätantike. Untersuchungen zur Ausstattung des öffentlichen Raums in den spätantiken Städten Rom, Konstantinopel und Ephesos (Mainz 1996) 42-43.

Digital Roman Forum, Columnae Honorariae, http://dlib.etc.ucla.edu/projects/Forum/reconstructions/ColumnaeHonorariae_1

C. F. Giuliani – P. Verduchi, L’Area Centrale del Foro Romano (Florenz 1987) 166-173.

P. Verducchi, Colonne onorarie (Forum Romanum), in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae I (Rom 1993) 294-295.