Rostra Diocletiani



Übersicht

  • Rostra Diocletiani in tetrarchischer Zeit (um 310 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Rostra Diocletiani in tetrarchischer Zeit (um 310 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Rostra Diocletiani (spätes 3. Jh. oder frühes 4. Jh. n.Chr.)
  • Rostra Diocletiani (spätes 3. Jh. oder frühes 4. Jh. n.Chr.)
  • Rostra Diocletiani (spätes 3. Jh. oder frühes 4. Jh. n.Chr.)
  • Rostra Diocletiani im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Rostra Diocletiani, heutiges Erscheinungsbild
  • Rostra Diocletiani, heutiges Erscheinungsbild
  • Rostra Diocletiani, heutiges Erscheinungsbild
  • Rostra Diocletiani, heutiges Erscheinungsbild
  • Rostra Diocletiani, heutiges Erscheinungsbild

Errichtung: spätes 3. oder frühes 4. Jh. n.Chr., unter Diocletian oder Maxentius

Umbauten: keine späteren Eingriffe erkennbar

Funktion: Rednertribüne, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Tetrarchisch


Die heutige Ruine der Rostra Diocletiani vergegenwärtigt in exemplarischer Weise die komplexe und teils auch tragische Geschichte, die manchen Bauten am Forum zuteilwurde: Bei den Ausgrabungen von 1874 fälschlicherweise als ein mittelalterlicher Bau gedeutet und damit einer nachantiken Epoche zugewiesen, an der man damals wenig interessiert war und daher deren ausgegrabene Ruinen ohne Dokumentation einfach abtrug, wurde die bis dahin vergleichsweise gut erhaltene Baustruktur der Rednertribüne weitgehend abgerissen. Dies ist umso bedauerlicher, da der einstige monumentale Bau das Erscheinungsbild des Forums ab tetrarchischer Zeit gravierend veränderte, was in der heutigen Ausgrabungsstätte jedoch dank des weitgehenden Ausradierens der Ruine kaum noch nachvollziehbar ist.

Identifizierung, Funktion und Historischer Kontext

Die Reste der Rostra Diocletiani, die die eigentliche gepflasterte Forumsfläche an deren Ostseite begrenzen, bereiteten der Forschung anfangs Schwierigkeiten in der Identifizierung. So schlug man etwa aufgrund der Raumstrukturen innerhalb des Baus eine Deutung als tabernae vor – oder glaubte auch die literarisch überlieferten stationes municipiorum (Versammlungsgebäude für die Bewohner der außerhalb Roms liegenden Municipien, die dort gemeinsam abstimmen konnten) hier zu erkennen. Jedoch legten Grabungen im Jahr 1979 weitere Fundamente im nordöstlichen Bereich der Forumsfläche frei, welche eine eindeutige Identifizierung des Baus nun ermöglichten: Die Strukturen gehören zu einer großen Rednertribüne, die sich über die gesamte Ostseite der freien Platzfläche des Forums erstreckte, in Ausmaßen und Erscheinungsbild den Rostra Augusti auf der gegenüberliegenden Westseite so ähnlich, dass man den Bau als eine gezielte ‚Duplizierung‘ der kaiserzeitlichen Rednertribüne an der Westseite des Forums ansprechen kann. Datiert werden kann der Bau in das Ende des 3. Jh. n.Chr., dank mehrerer gestempelter Ziegel, deren Ziegelstempel Kaiser Diocletian nennen.

Die Dualität von Rednertribünen jeweils auf der Ost- und der Westseite des Forum Romanum existierte schon seit augusteischer Zeit: Damals standen die neu geschaffenen Rostra Augusti an der Westseite und die Rednertribüne vor dem Tempel des Divus Iulius an der Ostseite im Dialog. Allerdings ist schwer zu beurteilen, ob diese Dualität während der alltäglichen Benutzung des Forums in den folgenden Jahrhunderten tatsächlich weiterhin genutzt und folglich wahrgenommen wurde. Damit wird es wiederum schwer, die Motive für den Neubau der Rostra Diocletiani zu rekonstruieren: Schloss man hier bewusst an den alten Dialog der Tribünen in West und Ost an und ersetzte die alten Rostra beim Caesartempel durch den Neubau (zum Teil wurde in der Forschung sogar vorgeschlagen, dass die Tribüne beim Caesartempel durch den großen Brand 283 n.Chr. zerstört worden seien und die Rostra Diocletiani somit ein Ersatzbau dargestellt hätten – im Befund des Caesartempels sind jedoch keine Hinweise auf Brandzerstörung greifbar, so dass diese These fraglich bleibt). Oder konzipierte man damals unter Diocletian das Forum als politischen Repräsentationsraum ganz neu und suchte dabei eine neue Form seiner monumentalen Ausgestaltung, mit einem neuartigen Abschluss auf der Ostseite. Dass die Tetrarchen jedenfalls an einer entsprechenden Okkupation des Forums für ihre eigene Repräsentation nachhaltig interessiert waren, bezeugt die gleichzeitige Umgestaltung der Rostra Augusti an der Westseite: Dort bediente man sich eines aufsehenerregenden Fünsäulenmonuments auf der Tribüne (entweder durch Übernahme eines älteren severischen Monuments oder durch Neubau), um das neue Herrschaftssystem zu feiern. Ein entsprechendes Fünfsäulenmonument trugen wohl ebenfalls die neuen Rostra Diocletiani, dann zweifelsohne ebenfalls mit demselben repräsentativen Anspruch. Beide Tribünen mit ihren hochaufragenden Säulenmonumenten rahmten nun in neuer Weise den eigentlichen freien Platz des Forums und definierten ihn nun vor allem als Bühne der ruhmvollen Gegenwart (s. Tetrarchisch).

Rekonstruktion

Der Bau war wie auch andere Bauprojekte in tetrarchischer Zeit aus Ziegelmauerwerk errichtet. Einst war er auch prächtig mit Marmor verkleidet (Reste von Marmorprofilen haben sich noch von der Basis sowie dem krönenden Gesims erhalten). Aufgrund der neueren Grabungen in den 1980er Jahren kann eine Grundfläche des Baus von ca. 12 x 30 m ermittelt werden; die Höhe des Baus lässt sich dank der erhaltenen Südecke auf ca. 3,90m berechnen. Analog zu den Rostra Augusti auf der Westseite sind auf den Rostra Diocletiani ebenso fünf Säulenmonumente zu rekonstruieren, von denen sich wenigstens die Freiräume für die Fundamentierungen in der Binnenstruktur des Baus noch erhalten haben.

Innerhalb des Baus befanden sich zudem mehrere Räume, die sowohl von der Forumsseite im Westen als auch von der Straßenseite im Osten betreten werden konnten. An der zum Forum hin gerichteten Seite der Rostra Diocletiani wurden Einlasspuren analog zu den auf der Westseite gelegenen Rostra Augusti als Halterungen für Schiffschnäbel (sog. rostra) interpretiert, wobei aus historischer Sicht ein entsprechender Seesieg bisher mit der Errichtung nicht plausibel in Zusammenhang gebracht werden konnte. Gleichfalls ist auch eine Deutung der Einlasspuren im Rahmen der Anbringung der einstigen prächtigen Marmorinkrustation denkbar. Und schließlich ist überhaupt die Datierung der Einlasspuren durch die starke Nachnutzung des Baus erschwert, so dass nicht auszuschließen ist, dass sie gar einer späteren nachantiken Nutzungsphase angehören.

Ruine

Bei den Ausgrabungen im Jahr 1874 wurden die Rostra Diocletiani trotz ihres guten Erhaltungszustandes ohne Dokumentation zum Großteil abgerissen, da man davon ausging, dass es sich hierbei um einen mittelalterlichen Turm handelte. Diese nachantike Phase des Forum Romanum stand nicht im Fokus der Ausgräber, weshalb sich das Forum generell heute von seinen mittelalterlichen Bauten fast vollständig bereinigt präsentiert.

Der südliche Teil des Baus wurde damals jedoch zum Glück nicht abgerissen, da man annahm, dass dieser zu den sieben Säulenmonumenten gehörte, die sich entlang der Südseite des Forums erstreckten. Diese Struktur ist noch bis zu 3,90 m Höhe erhalten und bildet die wichtigste Grundlage für die Rekonstruktion des restlichen Baus.

Im 6. Jh. n.Chr. haben sich innerhalb der Rostra Werkstätten angesiedelt, die z.B. altes Metall, welches man überall auf dem Forum fand, weiter verarbeiteten. Aufgrund der sukzessiven Anfüllung des Areals mit verschiedenem Material scheint der Bau jedoch im 9. Jh. n.Chr. schließlich aufgegeben worden zu sein. Heute fungiert der einzige erhaltene Raum innerhalb der ehemaligen Rednertribüne als Magazin.

(JB)

 

Druckversion

Zitieren nach: Bartz, Jessica. „Die Rostra Diocletiani“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/rostra-diocletiani/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Jessica Bartz)

 

Ausgewählte Bibliographie

F. A. Bauer, Stadt, Platz und Denkmal in der Spätantike. Untersuchungen zur Ausstattung des öffentlichen Raums in den spätantiken Städten Rom, Konstantinopel und Ephesos (Mainz 1996) 31-32.

F. A. Bauer, Stadt ohne Kaiser. Rom im Zeitalter der Dyarchie und Tetrarchie (285-306 n.Chr.), in: T. Fuhrer (Hrsg.), Rom und Mailand in der Spätantike (Berlin 2012) 57-65.

F. Coarelli, Il Foro Romano II. Periodo repubblicano e augusteo (Rom 1985) 318-324.

Digital Roman Forum, Rostra Diocletiani, http://dlib.etc.ucla.edu/projects/Forum/reconstructions/RostraDiocletiani_1

C. F. Giuliani – P. Verduchi, L’Area Centrale del Foro Romano (Florenz 1987) 148-166.

H. P. L´Orange, Ein tetrarchisches Ehrendenkmal auf dem Forum Romanum, Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Institutes. Römische Abteilung 53, 1938, 1-16.

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P. Verduchi, Rostra Diocletiani, in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae (Rom 1995) 217-218.