• Kaiserzeitliche Regia (spätes 1. Jh. v.Chr. - 1. Jh. n.Chr.), topographischer Kontext
  • Spätrepublikanische/augusteische Regia des Calvinus (36 v.Chr.)
  • Regia im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Regia, heutiges Erscheinungsbild

Errichtung: Ende 7. Jh. v.Chr.

Umbauten: im 6. und frühen 5 Jh. v.Chr. mehrfach nach (Brand-)Zerstörung neuerbaut; weitere Um- und Neubaumaßnahmen im 3./2. Jh. v.Chr. sowie 36 v.Chr.

Funktion: Amtslokal, Königsresidenz (?), Kultbau

Historischer Kontext: Späte Republik I Späte Republik II Augusteisch II Flavisch Severisch Tetrarchisch Antoninisch


Den Legenden zufolge war die Regia einst das Wohnhaus des römischen Königs Numa Pompilius und galt somit als eines der altehrwürdigsten Gebäude am Forum. Von seiner Gestalt her hat sich der Bau seit seinen Anfängen wenig verändert, wie sich offensichtlich auch die Kulthandlungen an diesem Ort unverändert weitertradierten. Diese auffallende Zurückhaltung in der ‚Modernisierung‘ dieses Gebäudes über die vielen Jahrhunderte der römischen Geschichte hinweg und die damit einhergehende Bewahrung des zunehmend altertümlichen Erscheinungsbildes unterstreicht die Ehrfurcht der Römer gegenüber diesem traditionsreichen Baus.

Geschichte und Befund

Die überaus lange Baugeschichte der Regia spiegelt sich in der Komplexität des erhaltenen Befundes wider. Acht verschiedene Bauphasen sind insgesamt beobachtet worden, wobei von den frühesten Phasen bislang nur bruchstückhaft die Fundamentmauern greifbar sind.

Die ersten archäologischen Überreste im Bereich der Regia gehören zu einer Hüttensiedlung aus dem 8. und 7. Jh. v.Chr., die sich damals an der Ostseite des späteren Forumsareals ausdehnte (s. Frühzeit). An Stelle dieser einfachen Hütten entstand Ende des 7. Jh. v.Chr. dann die erste Struktur eines komplexeren Baus mit Steinfundament Lehmziegelaufbau. Dieser Bau lässt bereits den generellen Grundriss aller späteren Phasen der Regia erkennen, auch wenn die Größe und Lage der einzelnen Räumlichkeiten im Lauf der Zeit variierten: Mehrere kleinere Räumlichkeiten sind dabei zu einer Raumgruppe aneinandergereiht und öffnen sich auf einen mit einer Mauer umschlossenen Hof. Verschiedene Brand- und Flutzerstörungen machten im Lauf des 6. Jh. v.Chr. mehrmals Neu- und Umbauten erforderlich, wobei die Raumgruppe immer wieder an anderen Seiten des Hofes neu errichtet wurde. Reste einer reichen Terrakottaverkleidung des Dachgebälks, die in den Schichten verschiedener Phasen gefunden wurden, verweisen auf eine überaus prächtige Ausstattung dieses Gebäudes, was wiederum seine herausragende Stellung in dieser Zeit unterstreicht.

Ein erneuter Umbau erfolgte wohl Anfang des 5. Jh. v.Chr., nach einer wiederholten Brandzerstörung der Regia, die in der Forschung zum Teil mit dem Sturz des letzten Königs in Verbindung gebracht wird. Nun wurde die Raumgruppe an die Südseite des Hofes verlegt, wo sie von nun an auch immer bleiben sollten. Im archäologischen Befund der republikanischen Zeit sind Renovierungen an dem Bau nur schwer nachzuverfolgen. Einzelne Beobachtungen deuten auf eine erneute Instandsetzung der Regia im späten 3. bzw. frühen 2. Jh. v.Chr. hin. Ein hingegen in späteren schriftlichen Quellen überlieferter Brand der Regia im Jahr 148 v.Chr., bei dem einer der beiden heiligen Lorbeerbäume im Hof unbeschadet geblieben sein soll, lässt sich im archäologischen Befund nicht bestätigen.

Das heutige Erscheinungsbild der Regia geht auf die grundsätzliche Erneuerung des Baus unter Cn. Domitius Calvinus im Jahr 36 v.Chr. zurück. Den Neubau, der nach einer erneuten Brandzerstörung notwendig wurde, finanzierte er aus der Beute seiner Kriegszüge in Spanien. Calvinus ließ die Regia nun vollständig aus Marmor errichten. Einige der Gebälkteile liegen noch heute neben der Ruine des Baus. Ferner verweist auch die in den schriftlichen Quellen erwähnte Ausschmückung der Regia mit Statuen auf die besondere Pracht des damals neu restaurierten Gebäudes.

Während die Schriftquellen von einer Brandzerstörung der Regia bei dem großen Brand von Rom unter Nero im Jahr 64 n.Chr. zu berichten wissen, sind im archäologischen Befund hiervon keine Spuren entdeckt worden. Gleiches gilt auch für einen Brand im späteren 2. Jh. n.Chr., dem der benachbarte Vestatempel zum Opfer fiel.

Funktion

Entsprechend der späteren literarischen Überlieferung, die die Regia als Wohnhaus des Königs Numa Pompilius anspricht, wird in der Forschung der Bau mehrheitlich als ‚Residenz‘ der römischen Könige angesprochen – wobei offen bleibt, ob der Bau der zentrale Bau hiervon oder nur eine Art repräsentatives ‚Amtslokal‘ der Könige war. Die prächtige Ausstattung der verschiedenen Bauphasen des 6. Jh. v.Chr. unterstreichen zumindest die herausgehobene Bedeutung dieses Baus – und ein dort gefundenes Scherbenfragment, auf dem der Titel des Königs (lat. ‚rex‘) eingeritzt, scheint diese Zuweisung zu unterstützen. Nach dem Sturz des letzten Königs gingen dessen Aufgaben als oberster Priester an den Rex Sacrificulus, bzw. später an den Pontifex Maximus über. Entsprechend wird die Regia in der republikanischen Zeit dann ebenso als Wohnsitz bzw. wohl eher Amtslokal des obersten Priesters Roms verstanden. Hierauf weisen auch verschiedene Erwähnungen in den literarischen Quellen: So ‚wohnte‘ etwa im 1. Jh. v.Chr. auch Caesar in seiner Eigenschaft als Pontifex Maximus in der Regia (weshalb auch sein Leichnam dann westlich der Regia verbrannt und der Tempel für den divinisierten Caesar direkt vor der Regia errichtet wurde).

Vor allem diente die Regia aber wohl der Abhaltung von rituellen Handlungen. Nach Ausweis der Schriftquellen befanden sich in dem Gebäude zwei kleinere Heiligtümer (lat. sacrarium) für Mars und für Ops Consiva. In dem sacrarium des Mars wurden in spätrepublikanischer und frühkaiserzeitlicher Zeit alte Schilde und Speere aufbewahrt, die bei den archaisch anmutenden Prozessionen der Priesterschaft der Salier mit geführt wurden. Daneben gab es dort eine Feuerstelle, an der geopfert wurde. Diese beiden Kulträume für Mars und Ops Consiva werden mit den kleinen Räumen entlang der Südseite des Hofes in Verbindung gebracht, deren Mauerreste noch heute in der Ausgrabungsstätte gut sichtbar sind.

Ruine

Die verschiedenen Mauerstrukturen der frühen Bauphasen, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurden, sind in der heutigen Ausgrabungsstätte nicht mehr sichtbar; zu erkennen sind lediglich die Mauerreste des frühaugusteischen Neubaus des Calvinus. Im Mittelalter wurde in den antiken Bau bzw. seine Ruine ein Wohnhaus hineingebaut worden – die Ziegelmauern, die heute an der Nordwestecke gegenüber dem Faustinatempel zu sehen sind, gehören zu diesem Haus. In der Folgezeit ging die Regia wie alle anderen antiken Bauten am Forum verschüttet. Erst Ende des 19. Jhs. brachten Ausgrabungen ihre Überreste wieder zum Vorschein.

(EH)

 

Druckversion

Zitieren nach: Holter, Erika. „Die Regia“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/regia/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Georgia Bousia, Erika Holter, Maria Kames)

 

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