Lacus Curtius



Übersicht

  • Lacus Curtius in augusteischer Zeit (um 14 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Augusteischer Lacus Curtius (12/9 v. Chr.)
  • Lacus Curtius, heutiges Erscheinungsbild
  • Lacus Curtius, heutiges Erscheinungsbild
  • Lacus Curtius, heutiges Erscheinungsbild

Errichtung: erste datierbare Anlage um 184 v. Chr.

Umbauten: drei Erweiterungs- bzw. Umbauphasen, die letzte im Jahr 203 n. Chr.

Funktion: Erinnerungsort, Kultbau

Historischer Kontext: Späte Republik II Augusteisch II Flavisch Severisch Tetrarchisch Antoninisch


Der Lacus Curtius ist ein kleines offenes Heiligtum, das sich direkt auf der freien Forumsfläche befindet. An diesem Ort war nicht nur die mythische Vergangenheit der Römer greifbar, sondern am Lacus Curtius spielten sich auch dramatische Ereignisse der historischen Geschichte ab:  So soll der Kaiser Galba, der sich 69 n. Chr. selbst zum Kaiser ernannt hatte, von seinen Gegnern direkt am Lacus Curtius erstochen worden sein.

Errichtung und Funktionen

Die Gründung des Monumentes wird bereits für die römische Königszeit angenommen. Zahlreiche antike Autoren berichten in der Retrospektive vom Anlass der Errichtung des Lacus Curtius. Folgt man den Überlieferungen, so kommen drei verschiedene Personen mit Namen Curtius (woher der Lacus seinen Namen hat: ‚Lacus‘ des Curtius) für die Errichtung des Monumentes in Frage.

Eine Version berichtet davon, wie in der mythischen Gründungszeit Roms ein sabinischer Reiter sich aus einem Sumpf am Forum auf wundersame Weise habe retten können und so die Schlacht, die zwischen den Römern und Sabinern entbrannt war, zugunsten der Römer entschied. Ein Sumpf, wie er literarisch überliefert ist, kann für die römische Frühzeit am Forum Romanum angenommen werden, da das Tal, in dem sich das Forum befindet, erst durch die Cloaca Maxima entwässert und dauerhaft trocken gelegt wurde. Zum Andenken an diese Auseinandersetzung benannte man den Sumpf nach dem sabinischen Reiter Curtius. Eine andere Version berichtet davon, wie sich ein Marcus Curtius im Jahr 362 v. Chr. in einen Erdspalt stürzte, der sich auf dem Forum unerwartet aufgetan hatte und so diesen wieder verschließen konnte. Ein in der Nähe gefundenes Relief, dessen Kopie heute in der Ausgrabungsstätte wieder aufgestellt ist, ist vermutlich mit einer dieser beiden Versionen in Verbindung zu bringen. Die letzte Version berichtet davon, dass ein Blitz an eben der Stelle des Lacus Curtius eingeschlagen ist. Dieser Blitzschlag wurde von den Römern als ‘Wunder‘“ angesehen, und der Consul des Jahres 445 v. Chr., C. Curtius Chilo, ließ daraufhin das Gebiet einzäunen.

Allen Versionen der Errichtung des Monumentes ist gemeinsam, dass sich in früherer Zeit (jedenfalls vor dem 4. Jh. v.Chr., als das Forum langsam als öffentlich-politisches Zentrum neu erfahren wurde) etwas ‘Wundersames‘ an diesem Ort ereignet hat. Besonders kursierte nach Ausweis der literarischen Überlieferung die erste Version mit dem sabinischen Reiter, die in die legendäre Zeit des Romulus zurückführte. Damit wurde der Lacus Curtius zu einem Erinnerungsort an die mythische Gründungszeit Roms und hielt diese Vergangenheit am Forum präsent. Interessanterweise kommt zu dieser Funktion als mythischer Erinnerungsort schließlich in der frühen Kaiserzeit eine weitere hinzu: Nun wurde der Lacus Curtius sowohl dafür genutzt, um für das Wohlergehen des Kaisers zu beten, als auch um hier Geld an seinem Ehrentag hier zu spenden. Nicht von ungefähr hatte der Kaiser Galba hier Zuflucht vor seinen Mördern gesucht.

Phasen 

Es können insgesamt vier unterschiedliche Phasen des Lacus Curtius ausgemacht werden. Die erste archäologisch greifbare Phase besteht aus einem Fundament, das von Tuffblöcken begrenzt ist. In der Mitte wird ein Puteal (Brunneneinfassung) angenommen. Die Phase wird in das Jahr 184 v. Chr. datiert. In der zweiten Phase wird das vorherige Aussehen des Lacus Curtius stark verändert. Das Monument wird deutlich verkleinert und verliert einen Teil seiner ehemaligen Fläche, der Grundriss der übrigen Fläche wird jedoch beibehalten. Mit diesen Umbauten geht einher, dass das Puteal ebenfalls versetzt und vergrößert wird. Die zweite Phase wird zusammen mit der sullanischen Neupflasterung der freien Forumsfläche in die Jahre 78-77 v. Chr. datiert. In der dritten Phase kann beobachtet werden, dass der Lacus Curtius zusammen mit der Neupflasterung in augusteischer Zeit mit Travertinplatten eingefasst wird.  Unter der Einfassung haben sich zwei Wasserleitungen (Fistule) gefunden; ebenso kann für diese Phase eine kleine Brüstung um den Lacus Curtius angenommen werden. Die Datierung dieser Phase schwankt zwischen den Jahren 12 und 9 v. Chr. Die letzte archäologisch greifbare Phase datiert um 203 n. Chr. Mit der Erhöhung der Forumspflasterung wird auch der Lacus Curtius angehoben als auch die Brüstung erneuert.

Rekonstruktion

Die Rekonstruktion des Lacus Curtius basiert in erster Linie auf dem vergleichsweise gut überlieferten Befund des Lacus Curtius.

(MK)

 

Druckversion

Zitieren nach: Kames, Maria. „Der Lacus Curtius“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/lacus-curtius/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Maria Kames, Eric Stephan)

 

Ausgewählte Bibliographie

K. S. Freyberger, Das Forum Romanum. Spiegel der Stadtgeschichte des antiken Rom (Mainz 2009) 18-20.

C. F. Giuliani, Lacus Curtius, in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae III, 1996, 166–167.

C. F. Giuliani – P. Verduchi, L’area centrale del Foro Romano, Il linguaggio dell’architettura romana 1 (Firenze 1987) 105-116.

Ch. Hülsen, Die Ausgrabungen auf dem Forum Romanum, 1902–1904, Römische Mitteilungen 20, 1905, 68-69.

G. Lugli, Roma antica. Il centro monumentale (Rom 1946) 157.

B. Steinmann, R. Nawracala, M. Boss, Im Zentrum der Macht. Das Forum Romanum im Modell (Erlangen-Nürnberg 2011) 76-78.