Faustinatempel



Übersicht

  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina, topographischer Kontext (um 210 n.Chr.)
  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina (141 n.Chr.)
  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina (141 n.Chr.)
  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina (141 n.Chr.)
  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina, heutiges Erscheinungsbild
  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina, heutiges Erscheinungsbild
  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina, heutiges Erscheinungsbild
  • Tempel des Antoninus Pius und der Faustina, heutiges Erscheinungsbild

Errichtung: erbaut 141 n. Chr.

Umbauten: keine antiken Umbauphasen des Tempels, im 5. Jh. Umbau in Kirche

Funktion: Kultbau, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Tetrarchisch Severisch Antoninisch


Der als Kultstätte für das verstorbene Kaiserehepaar Antoninus Pius und Faustina Maior geweihte Tempel zählt zu den jüngeren Bauten am Forum Romanum. Das Gebäude begrenzt das Forum in der Nordostecke und bildete den letzten repräsentativen Tempelneubau am kaiserzeitlichen Forum. Die Umwidmung des Tempels in die Kirche San Lorenzo in Miranda bewahrte den antiken Bau vor Zerstörung: Hieraus erklärt sich, dass der Bau heutzutage einen der besterhaltenen antiken Tempel in Rom überhaupt darstellt.

Geschichte und Funktion
Der Anlass für das Bauvorhaben war der Tod der Ehefrau des Kaisers Antoninus Pius, Faustina Maior, im Jahr 141 n. Chr. Die verstorbene Kaiserin wurde nach ihrem Tod mit allen römischen Ehrungen versehen und vom Senat divinisiert. Daraufhin wurde ihr ein eigener Kult eingerichtet und Antoninus Pius ließ für den neuentstandenen Kaiserkult einen Tempel an der Nordostecke des Forum Romanum erbauen. Sein ca. zwanzig Jahre späteres Ableben am 7. März im Jahr 161 n. Chr. und die darauffolgende Divinisierung des Kaisers durch den Senat führte dazu, dass er in den Kult seiner Ehefrau mit aufgenommen wurde. Die Erweiterung des Kultes auf das kaiserliche Ehepaarging mit der Veränderung der Inschrift am Architrav des Tempels in DIVO ANTONINO ET DIVAE F AVSTINAE EX S C einher.

Der Bau ist nur selten in der antiken Literatur erwähnt. Einzig verschiedene Statuenaufstellungen der römischen Oberschicht innerhalb des Tempelareals werden in den Quellen genannt. Erst der Einbau der Kirche San Lorenzo in Miranda im 5. Jh. n. Chr. in den Pronaos des Tempels führte nicht nur zu einschneidenden Veränderung der antiken Architektur, sondern füllte das Gebäude mit neuen Inhalten. Der einst dem römischen Kaiserkult verpflichtete Bau wurde durch den Einbau der Kirche San Miranda an das Christentum, welches 300-600 n. Chr. stark an Bedeutung gewann und durch Theodosius um 380 n. Chr. zur „Staatsreligion“ erklärte wurde, ausgerichtet. Einhergehend mit dem Aufstieg des Christentums ist die Abkehr des römischen Polytheismus sowie den Kaiserkulten zu beobachten. Große Teile des Tempels blieben durch den Einbau der Kirche und ihrer weiteren Nutzung im Mittelalter erhalten.

Vorgängerbauten
Unter dem Faustinatempel können keine klaren Hinweise auf mögliche Vorgängerbauten ausgemacht werden, da niemals unter dem Tempel gegraben wurde. Es ist jedoch selbstverständlich davon auszugehen, dass vor dem Bau des Tempels unter Antoninus Pius die Stelle nordöstlich des Forum Romanum besetzt gewesen ist. Die Grabungen neben dem Tempelbau bestätigen dies: So wurden hier über vierzig archaische Gräber sowie auch Siedlungsspuren freilegen, die bis ins 8. Jh. v. Chr. zurückreichen. Die kontinuierliche Besiedlung des Areals ist auch für die folgenden Jahrhunderte der Königszeit und Republik nachzuweisen, wobei die Befunde die Entwicklung der Baustrukturen von den einfachen Lehmhütten hin zu aufwendigeren Steinhäusern während des 7. Und 6. Jh. v.Chr. erkennen lassen. Ab republikanischer Zeit sind weitere Wohnbauten, vermutlich aber auch kommerziell genutzte Gebäude entlang einer dort verlaufenden Straße zu fassen. Für die Kaiserzeit konnten verschiedene marmorne Pavimentierung ausgemacht werden, die nicht direkt an den Tempel anschließen. Aufgrund der einheitlichen Bauweise und der Verwendung ähnlicher Gesteinsarten geht man davon aus, dass diese einzelnen Pavimentierungen zu einer offenen Platzanlage verbunden waren. Weitere Bauspuren legen nahe, dass die Platzanlage in der späteren Kaiserzeit erweitert wurde.

In den letzten Jahren wird zudem diskutiert, inwieweit der kaiserzeitliche Faustinatempel selbst in einen älteren republikanischen Vorgängerbau integriert worden sein kann. Die Bauweise des Tempelpodiums wird dabei als mögliches Indiz für einen vorausgehenden Tempel des 2. Jh. v.Chr. angesprochen. Die hier beim Podium zu beobachtende Verwendung von Blöcken aus Peperino-Tuff in Kombination mit Travertinblöcken ist durchaus eine Bauweise, die bei spätrepublikanischen Bauten bezeugt ist – allerdings erlebt der Peperino-Tuff im 1.-2. Jh. n.Chr. einen erneuten Aufschwung, so dass die Frage nach der Datierung des Podiums und die Frage nach einem möglichen Vorgängertempel vorerst kontrovers diskutiert bleiben wird. Nur eine genaue Bauaufnahme des Podiums sowie punktuelle Grabungen können hier künftig eine sichere Entscheidungsgrundlage schaffen. Ungeachtet der Frage, ob eine republikanischer Tempel in den kaiserzeitlichen Bau integriert ist, bleibt jedoch die Überlegung, dass hier einst an der Nordostecke des Forums ein überaus prominenter Platz bestand, den man sich durchaus mit einem ambitionierten Bauprojekt besetzt vorstellen kann – gerade wenn man die überaus dynamische Baupolitik am Forum etwa im 2. Jh. v.Chr. bedenkt (s. Späte Republik II).

Erscheinungsbild und Rekonstruktion
Die Stelle am nordöstlichen Rand des Forums scheint für einen repräsentativen Kultbau des Kaiserpaares auf den ersten Blick ungünstig gewählt zu sein, muss sich der Tempelbau doch gegen verschiedene Bauten in der direkten Nachbarschaft behaupten: gegen den hochaufragenden Caesartempel, der direkt vor ihm mit Öffnung auf die freie Forumsfläche steht und den Blick vom Forum auf den Tempel versperrt, ferner gegen die Regia, die sich direkt vor seiner Treppenfront erhebt, und nicht zuletzt gegen die imposante Architektur der Basilica Paulli. Möglicherweise war es aber gerade die Nachbarschaft zu anderen wichtigen römischen Kultbauten, die nicht nur das Forum Romanum prägten (wie der Caesartempel), sondern zum Teil auf eine altehrwürdige Tradition zurückgingen (wie die Regia), welche ausschlaggebend für die Wahl des Ortes war.

Der Bau ruht auf einem hohen Podium aus Tuffquadermauern. Der prostyle Tempel mit sechs Säulen korinthischer Ordnung in der Front orientiert sich nach Süden. Die glatten Säulen aus Buntmarmor heben sich von der ansonsten weißen Marmorverkleidung ab. Der auf den Säulen erhaltene Architrav trägt die Widmungsinschrift an den divus Antoninus Pius und die Faustina; an den Längsseiten erscheint ein Relieffries mit Darstellung von antithetischen Greifen. Eine vergleichsweise steile Treppe führt in der Front hoch zum Tempel; da an dieser Stelle der Raum zwischen dem Tempel und der gegenüberliegenden Regia sehr eng ist und von der Straßenführung der (mutmaßlichen?) Via Sacra besetzt ist, war der Altar in die Treppenanlage integriert.

Aufgrund der vergleichsweise guten Erhaltung des antiken Baus beruht die Rekonstruktion zu großen Teilen auf der erhaltenen Architektur. Bauteile, die sich nicht überliefert haben, wie vor allem das mittelalterlich veränderte Dach, wurden über den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Tempelbauten ergänzt.

(MK)

 

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Zitieren nach: Kames, Maria. „Faustinatempel“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/faustinatempel/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Erika Holter, Maria Kames)

 

Ausgewählte Bibliographie

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Digital Roman Forum, Antoninus et Faustina, templum, http://dlib.etc.ucla.edu/projects/Forum/reconstructions/AntoninusetFaustinaTemplum_1

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