Equus Domitiani



Übersicht

  • Equus Domitiani in flavischer Zeit (um 96 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Equus Domitiani in flavischer Zeit (um 96 n.Chr.), Betrachterperspektive
  • Equus Domitiani (nach 83/84 n.Chr.)
  • Equus Domitiani, einstiger Standort im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Equus Domitiani, heutiges Erscheinungsbild des einstigen Standorts

Errichtung: 83/4-96 n.Chr.

Umbauten: nach dem Sturz Domitians wieder zerstört

Funktion: Ehrenmonument, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Flavisch


Die Reiterstatue des Kaisers Domitians (lat.: equus Domitiani) wird meist als signifikantes Zeugnis für den neuen, absoluten Herrschaftsanspruch verstanden, den der letzte Kaiser der flavischen Dynastie wählte und der wohl auch Grund für sein Scheitern auf dem Kaiserthron war. Die kolossale Reiterstatue erhob sich mitten auf der freien Forumsfläche. Ihre Aufstellung dort galt als Novum, waren die vorausgehenden Feldherrn und Kaiser noch mit Reiterstatuen auf oder bei den Rostren am Comitium bzw. später bei den Rostra Augusti geehrt worden; die Aufstellung einer Reiterstatue hingegen mitten auf der Forumsfläche und damit die Okkupation des gesamten Forums bildete somit eine neue Qualität in der kaiserlichen Repräsentation am Forum. Jedoch kann man sich fragen, ob die Wahl des Ortes nicht zuletzt auch Konsequenz einer eigendynamischen Entwicklung einer stets nach Übertreffen des bisher Dagewesenen strebenden Statuenehrungen auf dem Forum darstellt – und nicht zwangsläufig als Indiz für das überzogenen Herrschaftsverständnis des Domitian verstanden werden muss.

Geschichte & Bewertung

Anlässlich seiner Siege über Germanien 83/85 n.Chr. wurde Domitian von Senat und römischem Volk mit einer Reiterstatue geehrt (der historische Zusammenhang ergibt sich aus der überlieferten Ikonographie der Statue, s.u.). Die Verleihung einer Reiterstatue galt als die prominenteste Form der öffentlichen Ehrenstatue in Rom; zugleich bildete die Exklusivität des Standortes eine weitere Möglichkeit, die Prominenz der Ehrung zu definieren. Vor Domitian bildete die Aufstellung bei bzw. auf den Rostra den exklusivsten Ort am Forum für die Aufstellung einer Reiterstatue (s. republikanische Rostra & Rostra Augusti): So standen dort die Reiterstatuen des Sulla und Pompeius, Caesar und Augustus. Diese Tradition war jedoch unter Nero aufgebrochen worden, indem der Kaiser einem Senator ebenfalls die Ehrung einer Reiterstatue auf den Rostra Augusti zuerkannte. Damit hatte dieser Ort seine Exklusivität für die kaiserliche Repräsentation verloren – und es war nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Option exklusiver Statuenehrung für die römischen Kaiser gefunden wurde. Es mag ein Indiz für das ambitionierte Herrschaftsverständnis Domitians sein, dass diese Lösung gerade für ihn gefunden wurde, indem seine Reiterstatue nun mitten auf der freien Forumsfläche errichtet wurde – doch gleichzeitig führt sich damit nur eine Dynamik fort, die schon seit der späten Republik den Wandel der Repräsentationsformen befeuert hatte.

Die Aufstellung von Ehrenmonumenten in der Mitte von Platzanlagen hatte mit den Statuen von Caesar und Augustus auf dem Forum Iulium bzw. auf dem Forum Augustum bereits prominente Vorgänger, und kann somit als in Rom geläufige,, wenn gleich recht exklusive Praxis gelten, die den Anspruch des Geehrten über den betreffenden Raum nachdrücklich unterstrich. Bei den von Caesar bzw. Augustus gestifteten Forumsanlagen war dieser Anspruch mit der privaten Finanzierung und Stiftung der Platzanlage vereinbar. Die Errichtung der Reiterstatue Domitians hingegen auf dem Forum Romanum mochte vor dem Hintergrund dieser Vorläufer als eine allzu anmaßende Okkupation des Forums aller Römer durch den flavischen Kaiser wirken. Doch war Domitians Maßnahme weniger innovativ und damit anmaßend, als es zunächst erscheinen mag. Denn schon unter Augustus waren wohl in der Mitte der freien Forumsfläche drei Columnae rostratae (mit Schiffsschnäbeln geschmückte Ehrensäulen) errichtet worden, als Ehrung des Iuliers für seinen Sieg bei Actium 31 v.Chr. Diese Säulen standen offensichtlich hier bis zur Errichtung der Reiterstatue Domitians, wurden jedoch anlässlich deren Errichtung dann entfernt und hoch auf das Capitol versetzt. In der Okkupation der freien Forumsfläche folgte Domitian somit dem Vorbild des Augustus, das er jedoch dann durch sein Monument ersetzen ließ.

Nach der Ermordung Domitians 96 n.Chr. und dem darauf folgenden Beschluss der Damnatio memoriae, infolge derer alle Erinnerung an den Flavier ausgelöscht werden sollte, war auch das Schicksal seiner Reiterstatue auf dem Forum besiegelt: Sie wurde abgerissen und die Pflasterung der Forumsfläche verdeckte wieder die Spuren des einstigen Monuments.

Standort

Der Standort der Reiterstatue Domitians kann aus der Kombination von literarischen und archäologischen Zeugnissen gesichert werden. Der Dichter Statius rühmt in einem seiner Gedichte (silvae 1,1) das Reiterstandbild und schildert dabei auch seinen Standort auf dem Forum: Es würde fast das ganze Forum einnehmen, wäre zum Caesartempel hin ausgerichtet, seitlich ständen die Basilica Paulli und die Basilica Iulia, und im Rücken der Concordia– sowie der Vespasianstempel. Mit dieser Schilderung kann ein massives Fundament aus opus caementicium etwa in der Mitte der freien Forumsfläche in Verbindung gebracht werden, das von der späteren Pflasterung des Forums wieder verdeckt ist und somit auf ein in der Antike wieder abgetragenes Monument verweist. Im frühen 20. Jh. hatte man den Equus Domitiani noch leicht südlich von dieser Position lokalisiert, indem man ihn mit einer heute noch als offene Vertiefung sichtbaren Fundamentierungsstruktur in Verbindung brachte; die Datierung dieser Spuren sowie des direkt nördlich anschließenden Fundaments machten jedoch die Zuweisung des letzteren als Standort des Reiterstandbilds Domitians wahrscheinlich. Mit den südlichen Fundamentierungsstrukturen werden hingegen die augusteischen Columnae rostratae nun in Verbindung gebracht, die anlässlich der Errichtung des domitianischen Monuments weichen mussten.

Rekonstruktion

Von der Reiterstatue ist lediglich (wahrscheinlich, s.o.) das Fundament erhalten. Seine Ausmaße von ca 8 x 12 m Grundfläche weisen auf eine weit überlebensgroße Reiterstatue hin. Als Gesamthöhe mag man 12-16m veranschlagen (in unserem Modell ist eine Höhe von 13m gewählt). Dies entspricht auch der ausführlichen Schilderung der Statue bei dem Dichter Statius (silvae 1,1): Auch er unterstreicht die kolossalen Ausmaße der Reiterstatue – wobei seine Angaben aufgrund des panegyrischen Modus seines Gedichts natürlich nicht als wörtlich getreue Beschreibung misszuverstehen sind. Unter Rekurs auf die Schilderung bei Statius wird auch das Aussehen der Reiterstatue rekonstruiert: Domitian erscheint in hoheitsvollem Habitus auf seinem Pferd reitend, mit erhobener Rechten und einer kleiner Minervastatue in der Linken, während sein Pferd einen seiner Vorderhufe auf die Personifikation des gefesselten Rheins setzt, als Zeichen der Bezwingung des Rheins und Germaniens. Münzprägungen aus der Zeit 95/96 n.Chr. zeigen im Münzbild den Kaiser zu Pferd in einer ähnlichen Ikonographie, weshalb diese Bilder teils als Wiedergabe der Reiterstatue vom Forum angesprochen werden.

(SM)

 

Druckversion

Zitieren nach: Muth, Susanne. „Equus Domitiani“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/equus-domitiani/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Rolf Sporleder)

 

Ausgewählte Bibliographie

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