Dioskurentempel



Übersicht

  • Dioskurentempel in der Mittleren Republik (um 250 v.Chr.), topographischer Kontext
  • Dioskurentempel zu Beginn der Späten Republik (um 200 v.Chr.), topographischer Kontext
  • Dioskurentempel in der Späten Republik (um 100 v.Chr.), topographischer Kontext
  • Dioskurentempel in augusteischer Zeit (um 14 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Dioskurentempel in severischer Zeit (um 210 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Früh-Spätrepublikanischer Dioskurentempel (um 200 v.Chr.)
  • Früh-Spätrepublikanischer Dioskurentempel (um 200 v.Chr.)
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteraltempel
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteros sine postico
  • Augusteischer Dioskurentempel des Tiberius (6 n.Chr.)
  • Hoch-/Spätkaiserzeitlicher Dioskurentempel (Wende 2.-3. Jh. n.Chr.?)

Errichtung: 484 v.Chr. eingeweiht

Umbauten: mehrere Umbau- und Neubauphasen im frühen 2. Jh. v.Chr., 117 v.Chr. und 6 n.Chr., sowie wohl in severischer Zeit

Funktion: Kultbau, Ort politischer Entscheidungsfindung, Rednertribüne, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Späte Republik I Späte Republik II Augusteisch II Flavisch Severisch Tetrarchisch Antoninisch


Der Tempel für die Dioskuren Castor und Pollux zählt zu den ältesten monumentalen Kultbauten am Forum. Während seines langen Bestehens vom 5. Jh. v.Chr. bis ins 4. Jh. n.Chr. weist der Tempel eine bewegte Geschichte auf: In den verschiedenen Epochen der Republik und Kaiserzeit kommt es immer wieder zu funktionalen Erweiterungen und ideologischen Aufladungen des Tempels. Entsprechend wird der Bau auch mehrfach umgebaut und neu gestaltet. Insgesamt ist der Dioskurentempel somit ein bemerkenswertes Beispiel für die vielfältigen und keineswegs bloß religiösen Funktionen, in die Sakralbauten am Forum Romanum eingebunden sein konnten.

Geschichte

Errichtet wurde er im frühen 5. Jh. v.Chr., als sich die junge Republik das Forum in neuer Weise als ihr öffentlich-politisches Zentrum gestaltete. Den Dioskuren wurde dabei als Dank für ihre Hilfe in der Schlacht am See Regillus (siehe unten) ein prächtiger Tempel am Forum geweiht. Als Siegesmonument verwies er somit auf die militärische Stärke des römischen Stadtstaates und fungierte zugleich als Identifikationsbau vor allem für die römische Elite (Patrizier), galten die Dioskuren doch besonders als Schutzgötter der Reiterei.  In den folgenden Jahrhunderten bildete der Tempel stets einen wichtigen Bezugspunkt im Geschehen auf dem Forum. Dabei erweiterten und wandelten sich jedoch mehrfach seine Funktionen: In der späten Republik entwickelte sich der Tempel mehr und mehr auch zu einem Ort der politischen Entscheidungsfindung, indem der Senat in seiner Cella tagte und sein Podium als Rednertribüne genutzt wurde. Der so zunehmend politisierte Tempel avancierte im 1. Jh. v.Chr. schließlich zu einem der zentralen Austragungsorte der bürgerkriegsartigen Unruhen auf dem Forum. Von seinen ursprünglichen aristokratischen Konnotationen längst nicht mehr geprägt diente der Tempel – in bewusst gesuchter Opposition zu dem vom Senat kontrollierten Bereich von Curia und Comitium – nunmehr insbesondere als Bühne für diejenigen Politiker, die die Unterstützung des Volkes (plebs) suchten. Mit Beginn der Kaiserzeit wurde die politische Aufladung des Tempels wieder reduziert – und der Kultbau der Dioskuren verstärkt als Ort kaiserlicher Repräsentation genutzt. Dabei akzentuierte man die Dioskuren nun mehr in ihrer Bedeutung als Brüder und zugleich als Söhne des Zeus, woraus sich entsprechende Anknüpfungsmöglichkeiten für die ideologische Inszenierung der Kaiser (Caligula) und Prinzen (Tiberius) ergaben. Neben dieser Aneignung durch das Kaiserhaus diente der Tempel zugleich aber auch pragmatischeren Interessen: So fungierte er etwa als Eichamt und zugleich als Schatzhaus für private und kaiserliche Vermögen. Die Kammern (tabernae) seitlich des Podiums dienten wiederum unterschiedlichsten Gewerben – so war etwa in der ersten Taberna auf der Westseite ein Zahnarzt tätig.

Architektur

Während seines Bestehens vom 5. Jh. v.Chr. bis ins 4. Jh. n.Chr. beherrschte der Dioskurentempel mit seiner imposanten Architektur die östliche Hälfte des Forumsareals. Mehrere Umbauten und Neubauten des Tempels steigerten dabei jeweils seine architektonische Pracht. All diese baulichen Eingriffe spiegeln die zentrale Bedeutung des Tempels für die jeweilige Epoche wider, erfolgten sie doch bezeichnenderweise immer zu Zeiten, in denen das Forum grundsätzlich umgestaltet wurde und neue Bedürfnisse der Nutzung und Repräsentation sich seiner bemächtigten. So kam es im frühen 2. Jh. v.Chr. zu ersten Umbauten des Tempels, die seine Nutzung  als Ort der politischen Entscheidungsfindung förderten – zu einer Zeit, in der der Raum der politischen Versammlung vom Bereich des Comitium auf die gesamte Fläche des Forumsareals ausgeweitet und somit das gesamte Forum zunehmend politisiert wurde. Im späteren 2. Jh. v.Chr. (117 v.Chr., s. unten) wurde der Baukomplex von Grund auf neu als hochaufragender prächtiger Tempel erbaut, als generell im Zuge eines sich intensivierenden Wettbewerbes privater Stifter (Euergeten, i.e. Wohltäter) untereinander die Bauten der rahmenden Forumsarchitektur als aufsehenerregende Baustiftungen einzelner Politiker monumentalisiert wurden. Und schließlich in augusteischer Zeit (6 n.Chr., s. unten), als unter dem ersten Kaiser Roms das gesamte Erscheinungsbild des Forums wiederum neu gestaltet und auf die Repräsentation des Kaiserhauses ausgerichtet wurde, wurde auch der Tempel erneut restauriert, nun als prächtiger und hochaufragender Marmorbau, mit dem sich Tiberius als neuer Thronfolger des Augustus dem Volk empfehlen sollte. (zu den einzelnen Phasen s.u.)

Ruine

Die Ruine des Tempels in der heutigen Ausgrabungsstätte überliefert primär diesen augusteischen Bau von 6 n.Chr. Drei Säulen der aufgehenden Architektur stehen noch an der östlichen Längsseite aufrecht, dazu ist vom Podium ein mächtiger Kern aus Opus Caementicium erhalten, der einst von Tuff- und Travertin-Quadermauern umschlossen war, auf welchen die eigentlich tragenden Teile der aufragenden Marmorarchitektur ruhten. Diese Mauern sowie der Großteil der eigentlichen aufgehenden Tempelarchitektur sind heutzutage verloren. Doch im Negativ der ausgeraubten Mauern im Podium wird der Grundriss und damit auch teils der Aufbau des Tempels wieder rekonstruierbar. Doch nicht nur über das Aussehen des augusteischen Tempels verrät der Caementiciumkern des Podiums wichtige Informationen: In ihm sind ferner auch aussagekräftige Spuren der früheren drei Tempelbauten erhalten, auf deren Grundlage wiederum das Aussehen auch dieser drei Vorgängerbauten vergleichsweise gut rekonstruiert werden kann. (zu Bildern der heutigen Ruine s.u.)

(SM)

 

Druckversion

Zitieren nach: Muth, Susanne. „Der Dioskurentempel“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/dioskurentempel/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Phase 1

  • Frührepublikanischer Dioskurentempel, topographischer Kontext (um 250 v.Chr.)
  • Frührepublikanischer Dioskurentempel (484 v.Chr.)
  • Frührepublikanischer Dioskurentempel (484 v.Chr.)
  • Frührepublikanischer Dioskurentempel (484 v.Chr.)


Frührepublikanischer Tempel

Die Anfänge des Tempels reichen in die ersten Jahre der frühen Republik zurück – und führen zu dem eigentlichen Gründungsmoment des neuen politischen Systems in Rom. Nach seinem Sturz  verbündete sich der ehemalige Tyrann Roms, Tarquinius Superbus, mit den Latinern, einem benachbarten Stamm, um gegen Rom Krieg zu führen und seine Alleinherrschaft wiederzugewinnen. Bei der Schlacht am See Regillus (499 oder 496 v.Chr) besiegen die Römer jedoch den Tyrannen und die mit ihm verbündeten Latiner, was den eigentlichen und definitiven Befreiungsschlag gegen die Königsherrschaft bedeutet – hieraus speist sich die besondere ideologische Bedeutung dieses Sieges für die frühe Republik. Bei dieser Schlacht sollen der Legende nach zwei Jünglinge zu Pferd erschienen sein und die Römer unterstützt haben; kurz darauf sollen diese beiden Reiter auch in Rom am Forum erschienen sein und ihre Pferde an der Iuturnaquelle getränkt haben. Diese Jünglinge erkannte man als die beiden Dioskuren – und ihnen gelobte der Dictator Postumius, der die Römer in der Schlacht befehligte, einen Tempel an jener Stelle zu errichten, wo die Dioskuren ihre Pferde getränkt hatten. Dieser Tempel wurde dann 484 v.Chr. vom Sohn des Dictators eingeweiht.

Diese literarisch überlieferte Gründungsgeschichte des Dioskurentempels wird von den archäologischen Zeugnissen bestätigt: Die Mauerreste aus Tuff, die im Tempelpodium (eingeschlossen von den jüngeren Caementiciumkernen des spätrepublikanischen und augusteischen Baus) erhalten sind, sowie die fragmentarisch überlieferten Reste des Terrakottaschmucks des Tempeldachs, weisen ebenfalls auf eine frührepublikanische Entstehung des ersten Tempels. Im Erscheinungsbild entsprach der Bau der damals vorherrschenden Architektur etruskisch-archaischer Tempel: Der Bau ruhte auf einem niedrigen Podium, mit schmalem Treppenaufgang an der Front; der eigentliche Tempel besaß eine tiefe Vorhalle mit 4 Säulen in der Front und eine dreigeteilte Cella im Inneren. Zusammen mit dem etwa gleichzeitig erbauten Saturntempel an der Südwestecke des Areals  beherrschte der Dioskurentempel an der Südostecke als der damals wohl größte Bau am Forum den Platz.

Phase 2

  • Früh-Spätrepublikanischer Dioskurentempel, topographischer Kontext (um 200 v.Chr.)
  • Früh-Spätrepublikanischer Dioskurentempel (um 200 v.Chr.)
  • Früh-Spätrepublikanischer Dioskurentempel (um 200 v.Chr.)
  • Früh-Spätrepublikanischer Dioskurentempel (um 200 v.Chr.)


Spätrepublikanischer Tempel I

Im Unterschied zum ersten Tempelbau fehlen für die darauf folgenden Umbauten im frühen 2. Jh. v.Chr. entsprechende Hinweise in den literarischen Quellen. Die Bauphase sowie das Ausmaß ihres Eingriffs sind allein auf der Grundlage der archäologischen Zeugnisse am Bau selbst zu erschließen. Die Datierung des Umbaus basiert dabei auf der verwendeten Bautechnik (opus caementicium), die erst ab der Wende vom 3. zum 2. Jh. v.Chr. in Rom nachzuweisen ist.

Gleichwohl der Tempel nicht von Grund auf neu errichtet wurde, wandelte sich sein Erscheinungsbild doch erheblich. Die Vorhalle des Tempels wurde gemäß dem Geschmack der Zeit modernisiert: Die Anzahl der Säulen in der Front wurde auf 6 Säulen erweitert, gleichzeitig wurde die Säulenfront nach hinten verlegt und die Vorhalle auf eine vorgestellte Säulenreihe verkürzt – generell verlor sich dadurch das Erscheinungsbild des altertümlichen etruskischen Tempels mit seiner tiefen Vorhalle und weiten Säulenstellung; wahrscheinlich wurde die gesamte Tempelfassade auch in den Höhenproportionen sowie im architektonischen Stil modernisiert.

Die Verkürzung der einst tiefen Vorhalle ließ die Fläche des Podiums vor der Säulenfront wiederum erweitern, so dass hier eine freie Fläche für ein Tribunal entstand, das fortan als eigene Rednertribüne (rostra) genutzt werden konnte. Die einst frontal angelegte Treppe zum Tempel wurde durch seitliche Treppen ersetzt, die auf das Tribunal führten; von dort führte wiederum eine zentrale Treppe hoch auf das Laufniveau des eigentlichen Tempels.

Phase 3

  • Spätrepublikanischer Dioskurentempel des Metellus, topograph. Kontext (um 100 v.Chr.)
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteraltempel
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteros sine postico
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteraltempel
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteros sine postico
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteraltempel
  • Spätrepublikan. Dioskurentempel des Metellus (117 v.Chr.), als Peripteros sine postico


Spätrepublikanischer Tempel II / metellischer Tempel

Als im Laufe des 2. Jh. v.Chr. die führenden Politiker sich gegenseitig mit immer prächtigeren Baustiftungen am Forum zu übertrumpfen suchten – ein Kontext, in dem vor allem die großen Basilica-Bauten entstanden und die Forumsarchitektur zunehmend monumentalisiert wurde –, kam es auch zu einer grundlegenden Erneuerung des erst kurz zuvor umgebauten Dioskurentempels. Der siegreiche Feldherr L. Caecilius Metellus ließ den Tempel aus der Beute seiner Feldzüge gegen die Dalmater von Grund auf neu erbauen, wie literarische Quellen berichten. Dabei entstand nach Ausweis der archäologischen Zeugnisse nun ein Tempelbau, der der modernen Tempelarchitektur im hellenistischen Stil, wie sie damals in Rom beliebt war, folgte.

Im Unterschied zum Vorgängerbau erhielt der Tempel nun eine hochaufragende  Architektur von monumentaler Pracht. Das Podium, auf dem der eigentliche Tempel stand, wurde deutlich erhöht, wobei das Tribunal mit den beiden seitlich hoch führenden Treppen beibehalten blieb. Der Tempel erhielt eine umlaufende Säulenstellung (wobei unklar ist, ob diese im Stil eines peripteralen Tempels auch auf der Rückseite verlief oder ob sie dort ausgesetzt war, im Stil des damals beliebten Tempeltypus eines Peripteros sine postico), die Anzahl der Säulen in der Front wurde auf 8 Säulen erweitert. An die Stelle der einst drei Cellae trat nun eine große Cella mit vorgestellten Säulen an den Wänden.

Die spezifische Architektur des metellischen Dioskurentempels mit seiner erhöhten Position und seinen leicht zu kontrollierenden Aufgängen führten dazu, dass der Bau in den unruhigen Zeiten des 1. Jh. v.Chr. auch als Waffenlager sowie als festungsartiger Zufluchtsort genutzt wurde (u.a. verschanzte sich der Populare und Cicero-Gegner Clodius hier mit seinen Anhängern). Die hochaufragende Architektur des gewaltigen Tempels brachte aber auch Nachteile mit sich: Offensichtlich traten schon wenige Jahrzehnte nach der Errichtung Probleme in der Statik des Baus auf, wohl infolge des insgesamt instabilen Geländes an der Westseite des Tempels. Darauf scheint eine punktuelle Restaurierung unter Verres 74 v.Chr. reagiert zu haben, bei der Säulen ersetzt und deren Fundamentierung verstärkt wurden, wie literarische Quellen berichten.

Phase 4

  • Augusteischer Dioskurentempel des Tiberius, topographischer Kontext (14 n.Chr.)
  • Augusteischer Dioskurentempel des Tiberius (6 n.Chr.)
  • Augusteischer Dioskurentempel des Tiberius (6 n.Chr.)
  • Augusteischer Dioskurentempel des Tiberius (6 n.Chr.)


augusteischer Tempel

Warum unter Augustus der Dioskurentempel schon wieder von Grund auf neu errichtet wurde, ist nicht völlig klar: Wahrscheinlich waren entweder eine Brandbeschädigung beim Forumsbrand von 14 v.Chr. oder zunehmende statische Probleme des metellischen Baus Anlass dafür, dass man einen kompletten Neubau des Tempels beschloss. In seiner Grundkonzeption folgt dieser Neubau dem metellischen Bau: Auch er zeigt 8 Säulen an der Front und eine freie Säulenstellung an allen Seiten (diesmal sicher auch an der Rückseite), besitzt ebenso eine quadratische Cella mit innerer Säulenstellung an den Seiten,  und ein der Vorhalle vorgelagertes Tribunal mit seitlich hochführenden Treppen. Der wesentlichste Unterschied zu dem Vorgängerbau lag allerdings in der deutlich stabileren Bauweise – sowie in der Verwendung des neuen Baumaterials Marmor, der dem Tempel ein nochmals prächtigeres und strahlendes Erscheinungsbild verlieh.

Eingeweiht wurde der neue Tempel 6 n.Chr., zu einer Zeit, als noch vielfache Bauarbeiten am Forum im Gange waren. Als Stifter des Tempels trat Tiberius als der designierte Thronfolger des Augustus auf, der den Tempel in seinem Namen sowie dem seines damals schon verstorbenen Bruders Drusus einweihte (was nach literarischen Quellen auch auf der Stiftungsinschrift des Tempels stand). Die Betonung des Brüderpaars unterstreicht die ideologische Vereinnahmung der Dioskuren im Dienste der kaiserlichen Repräsentation, werden hier doch die realen Brüder aus der göttlichen Familie des Augustus mit dem göttlichen Brüderpaar Castor und Pollux in gesuchten Dialog zueinander gesetzt.

Diese Ideologisierung der Dioskuren erreichte unter dem Kaiser Caligula dann ihren Höhepunkt, als dieser, wie die literarischen Quellen überliefern, den Dioskurentempel zum Vestibulum seines Kaiserpalastes auf dem Palatin umwandelte. Dabei muss ein eigener Durchgang auf der Rückseite der Cella geschaffen worden sein, der dann mit der Anlage auf dem Palatin verbunden wurde. Die Dioskuren, deren Kultstatuen in der Cella standen, wurden somit zu Torwächtern und Schutzgöttern des Herrschers uminterpretiert. Die Baumaßnahme wurde vom folgenden Kaiser Claudius jedoch wieder rückgängig gemacht. Spuren von diesem Eingriff sind im archäologischen Befund nicht überliefert.

Phase 5

  • Hoch-/Spätkaiserzeitlicher Dioskurentempel (um 210 n.Chr.)
  • Hoch-/Spätkaiserzeitlicher Dioskurentempel (spätestens Wende 2.-3. Jh. n.Chr.)
  • Hoch-/Spätkaiserzeitlicher Dioskurentempel (spätestens Wende 2.-3. Jh. n.Chr.)
  • Hoch-/Spätkaiserzeitlicher Dioskurentempel (spätestens Wende 2.-3. Jh. n.Chr.)


hoch-/spätkaiserzeitlicher Tempel

In der späteren Kaiserzeit des 2. und 3. Jh. n.Chr. scheint es nur zu punktuellen Restaurierungsmaßnahmen gekommen zu sein. Der gravierendste Eingriff betrifft die Treppenanlage an der Front des Tempels. Auf einem Fragment des marmornen Stadtplanes (Forma Urbis Romae) ist der Dioskurentempel mit einem frontalen Treppenaufgang dargestellt. Der archäologische Befund bestätigt, dass bei dem augusteischen Bau zu einem späteren Zeitpunkt die Tribüne aufgegeben wurde und von einer breiten Treppenfront ersetzt wurde. Aufgrund der Datierung des Marmorplanes in severische Zeit ist dieser Eingriff spätestens an der Wende vom 2. zum 3. Jh. n.Chr. anzusetzen; am wahrscheinlichsten ist er im Kontext der verschiedenen baulichen Eingriffe zu sehen, die unter Septimius Severus und Caracalla am Forum erfolgten.

Zu einer zunehmenden Beschädigung und Aufgabe des Dioskurentempels kam es ab dem frühen 4. Jh. n.Chr. Wieweit das Ausbleiben erneuter Restaurierungsmaßnahmen mit wieder auftretenden statischen Problemen des Baus zusammenhängt, bleibt unklar – ist jedoch eine plausible These, bedenkt man, dass andere Tempelbauten am Forum noch deutlich später im 4. Jh. restauriert wurden, um die architektonische Pracht am Forum zu bewahren.

Phase 6

  • Dioskurentempel im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Dioskurentempel, heutiges Erscheinungsbild
  • Dioskurentempel, heutiges Erscheinungsbild
  • Dioskurentempel, heutiges Erscheinungsbild


Ruine

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Lukas Bossert, Erika Holter, Mai Kuginuki, Ilyas Özsen)

 

Ausgewählte Bibliographie:

P. G. Bilde – B. Poulsen, The Temple of Castor and Pollux II. The Finds (Rom 2008).

Digital Roman Forum, Castor, aedes, http://dlib.etc.ucla.edu/projects/Forum/reconstructions/CastorAedes_1

I. Nielsen – B. Poulsen – C. Nylander (Hrsg.), The Temple of Castor and Pollux. I. The pre-Augustan temple phases with related decorative elements (Rom 1992).

I. Nielsen, Castor, aedes, templum , in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae  I (Rom 1993) 242-245.

K.A. Nilson – P.G. Bilde – H. Dorey – S. Sande – J. Zahle (Hrsg.), The Temple of Castor and Pollux. III. The Augustan Temple (Rom 2008).

O. Richter, Der Castortempel am Forum Romanum, Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Institus 13, 1898, 87-114.

S. Sande – J. Zahle, Der Tempel der Dioskuren auf dem Forum Romanum, in: Kaiser Augustus und die verlorene Republik. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, 7. Juni-14. August 1988 (Mainz 1988) 213-224.

B. Steinmann, R. Nawracala, M. Boss, Im Zentrum der Macht. Das Forum Romanum im Modell (Erlangen-Nürnberg 2011) 48-53.