Columnae rostratae Augusti



Übersicht

  • Columnae Rostratae Augusti in augusteischer Zeit (um 14 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Columnae Rostratae Augusti in augusteischer Zeit (um 14 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Columnae Rostratae Augusti in augusteischer Zeit (um 14 n.Chr.), topographischer Kontext
  • Columnae Rostratae Augusti (36-29 v.Chr.)
  • Columnae Rostratae, vermutlicher Standort im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Columnae Rostratae Augusti, heutiges Erscheinungsbild der vermutlichen Standortes
  • Columnae Rostratae Augusti, heutiges Erscheinungsbild der vermutlichen Standortes

Errichtung: errichtet nach 36 v.Chr. bzw. 31 v.Chr.

Umbauten: unter Domitian auf das Capitol versetzt

Funktion: Ehrenmonument, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Augusteisch II


Nahezu alle Formen repräsentativer Ehrenmonumente, welche aus der römischen Kultur bekannt sind, wurden für Augustus am Forum realisiert. Über sein tatsächliches Auftreten am Forum hinaus wurde so geradezu eine mediale Omnipräsenz  des Augustus inszeniert, in der dieser v.a. in der Rolle des Siegers erschien. Neben der Reiterstatue auf den Rostra (s. Rostra Augusti) und den Ehrenbögen (s. Actiumbogen, Partherbogen) wurde mit der Columna rostrata, der mit Rammspornen versehenen Ehrensäule, eine besonders altehrwürdige Form des Ehrenmonuments am Forum aufgegriffen. Augustus scheint insgesamt gleich vier solcher Columnae rostratae für seine Siege bei Naulochos (36 v.Chr.) und bei Actium (31 v.Chr.) verliehen bekommen zu haben.

Monumenttypus und Vorläufer

Seit der zweiten Hälfte des 4. Jh. v.Chr. bediente man sich in Rom der Ehrensäule als besonders rühmendes Ehrenmonument: die Säule hob als erhöhter Sockel die Statue des Geehrten in die Höhe und holte sie damit exklusiv aus dem Kreis der normalen Ehrenstatuen heraus. Die erste Ehrensäule wurde C. Maenius im Jahr 338 v.Chr. verliehen und beim Comitium errichtet. Die Columna rostrata bildete demgegenüber eine Weiterentwicklung: Indem der Säulenschaft hier mit Rammspornen versehen wurde (ähnlich wie die Rammsporne an der Rednertribüne des Comitium angebracht wurden), wiesen die Rammsporne in ihrer Bedeutung als Beutestücke auf einen Seesieg und feierten den Geehrten somit als Sieger in einer Seeschlacht. Als erster wurde C. Duilius im Jahr 260 v.Chr. mit einer solchen Columna rostrata ausgezeichnet – auch diese stand am Forum bzw. genauer gesagt: ebenfalls beim Comitium.

Geschichte

In der extrem nervösen Atmosphäre des 2. Triumvirats, als nach der Ermordung Caesars 44 v.Chr. verschiedenste Politiker versuchten, eine einzigartige Machtposition in Rom zu erlangen – und der Senat umgekehrt verschiedene dieser Politiker und Feldherrn mit übertriebenen Ehrungen überhäufte, um diese an sich zu binden, brach am Forum ein regelrechter Krieg mit Ehrenmonumenten aus: Allzu schnell wurden solche für vergleichsweise Nichtigkeiten errichtet – und ebenso schnell wieder abgerissen. In diesem Klima sich hochschraubender Ehrungen erhielt auch der spätere Augustus manche Monumente. Im Unterschied zu denjenigen seiner Konkurrenten blieben diese bestehen, da der durch sie Geehrte bekanntlich den Machtkampf um die Herrschaft in Rom für sich entschied. Und diese einmal errichteten ersten Monumente, die für erste Erfolge verliehen waren, mussten wiederum, als Augustus an die Herrschaft gekommen war, durch weitere und nochmals prestigeträchtigere Monumente ergänzt werden: Daher erklärt sich die regelrechte Flut an Ehrenmonumenten für Augustus auf dem Forum.

Eine erste Columna rostrata soll, so berichtet die literarische Überlieferung,  der junge C. Iulius divi filius Caesar (so lautete die äußerst hochtrabende Nomenklatur des späteren Augustus) für seinen Seesieg bei Naulochos über Sextus Pompeius im Jahr 36 v.Chr. erhalten haben. Desweiteren soll er (zusammen mit Agrippa) dann für seinen Seesieg bei Actium über Marc Anton und Cleopatra erneut mit mehreren Columnae rostratae geehrt worden sein, wie ein spätantiker Autor des 4. Jh. n.Chr. berichtet; dieser sah noch zu seinen Lebzeiten vier Columnae rostratae des Augustus auf dem Capitol, dem Hauptheiligtum Roms, wohin sie – so berichtet er weiter – der Kaiser Domitian vom Forum hatte abtransportieren und neu aufstellen lassen.

Vergangenheitsbezug

Mit den Columnae rostratae scheint Augustus einen direkten und ideologisch hoch aufgeladenen Bezug zu der alten Columna rostrata des C. Duilius von 260 v.Chr. gesucht zu haben; bezeichnenderweise wurde diese in augusteischer Zeit restauriert und anscheinend auch leicht versetzt, wohl um sie als Pendant zu den aktuellen Columnae rostratae angemessen in Szene zu setzen. Diese Bezugnahme zu älteren republikanischen Siegesmonumenten am Forum findet sich bei Augustus ganz analog im Fall der Rammsporne an den beiden Rostra: Hier werden die Rammsporne von Actium an den Rostra vor dem Caesartempel in einen vielsagenden Dialog zu den Rammspornen von Antium an den augusteisch umgewandelten ‚alten‘ Rostra (s. Rostra Augusti) gesetzt. Beide Bezugnahmen zu den ehrwürdigen Monumenten berühmter Siege der republikanischen Vergangenheit haben ein klares Ziel: Die Siege des Augustus werden dadurch in eine Reihe mit den berühmten Seesiege der römischen Geschichte gestellt und dadurch gleichzeitig nobilitiert (was allzu hilfreich war, um das unschöne Detail, dass die Seesiege des Augustus genaugenommen ‚schmutzige‘ Siege im römischen Bürgerkrieg darstellten, vergessen zu lassen).

Diese augusteischen Columnae rostratae scheinen dann ihrerseits in der folgenden Kaiserzeit wieder als Bezugspunkt für neue Siegesmonumente instrumentalisiert worden zu sein. So wird berichtet, dass für den ermordeten Kaiser Galba eine Columna rostrata auf dem Forum beim Lacus Curtius, wo er ermordet worden war, errichtet werden (diese postume Ehrung wurde dann wiederum von Vespasian zurückgenommen). Und auch auf Münzprägungen Vespasians und Titus erscheinen wie schon bei Augustus Darstellungen einer Columna rostrata – so dass man sich fragen kann, ob die Kaiser aus der neuen Dynastie der Flavier eventuell vergleichbare Ehrensäulen für sich auf dem Forum beanspruchten, bevor die augusteischen Columnae vom letzten Flavier Domitian abgebaut und auf das Capitol versetzt wurden.

Lokalisierung

Die literarischen Quellen, die uns von den Columnae rostratae des Augustus berichten, nennen als Standort lediglich das Forum. Entsprechend sind verschiedene prominente Aufstellungsorte denkbar, etwa bei den Rostra Augusti / Caesaris, beim Caesartempel oder auch auf der freien Forumsfläche. Die Forschung hat sich ebenfalls für unterschiedliche Lokalisierungen ausgesprochen. Die größte Plausibilität kommt jedoch einem Vorschlag zu, der drei der Säulen auf der freien Forumsfläche lokalisiert. Argumentiert wird diese Lokalisierung aus der Kombination von literarischer und archäologischer Überlieferung: Domitian hat die Columnae des Augustus vom Forum abtragen und hoch auf das Capitol bringen lassen – wohl, weil ihre Aufstellung seinen eigenen baupolitischen Aktivitäten im Weg stand. Nun befindet sich direkt südlich von der Stelle, wo der Standort des Equus Domitiani, des kolossalen Reiterstandbildes Domitians, plausibel lokalisiert wird, ein weiteres Fundament eines älteren Monuments, das vor der neuen Pflasterung des Forums in mittelaugusteischer Zeit (um 12 bzw.  9 v.Chr.) errichtet worden sein muss (früher wurde hier fälschlicherweise der Equus Domitiani lokalisiert). In diesem Fundament befinden sich unten drei Travertinblöcke mit Einlassungen, die denkbar als stabilisierende Verankerung für die sich oben auf dem Sockel erhebenden Säulenschäfte angesprochen werden können. Sollten hier drei der Columnae rostratae des Augustus (dann die für Actium) gestanden haben, würde wiederum ihre Entfernung gerade in domitianischer Zeit erklärbar werden, da ihre zentrale Position mitten auf der freien Forumsfläche fortan von dem kolossalen Reiterstandbild Domitians okkupierte werden sollte. Will man dieser Lokalisierung folgen, so bleibt die Frage nach dem Standort der früheren Columna rostrata für Naulochos: vorschlagsweise nehmen wir in unserem Modell eine Lokalisierung näher an den Rostra Augusti an, eventuell auf der Nordseite, Richtung Comitium, wo auch der Standort der augusteisch versetzten Columna rostrata des Duilius vermutet werden kann.

Rekonstruktion

Da von keiner der Columnae rostratae des antiken Roms Reste überliefert sind, wird das Aussehen dieser Säulen allein basierend auf Darstellungen auf Münzprägungen rekonstruiert. Besonders aussagekräftig für die augusteischen Säulen ist die Prägung eines augusteischen Denars aus der Zeit 29-27 v.Chr., der eine Columna rostrata abbildet – wohl in Bezug zu dem neu errichteten Siegesmonument auf dem Forum.

(SM)

 

Druckversion

Zitieren nach: Muth, Susanne. „Die Columnae Rostratae Augusti“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/columnae-rostratae-augusti/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Rolf Sporleder)

 

Ausgewählte Bibliographie

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S. Muth, Historische Dimensionen des gebauten Raumes. Das Forum Romanum als Fallbeispiel, in: O. Dally – T. Hölscher – S. Muth, R. Schneider (Hrsg.), Medien der Geschichte – Antikes Griechenland und Rom (Berlin – New York 2014) 285-329 (302-303, 318).

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