Caesartempel



Übersicht

  • Caesartempel, topographischer Kontext (um 29 v.Chr.)
    Caesartempel, topographischer Kontext (um 29 v.Chr.)
  • Caesartempel, topographischer Kontext (um 14 n.Chr.)
    Caesartempel, topographischer Kontext (um 14 n.Chr.)
  • Caesartempel (29 v.Chr.)
    Caesartempel (29 v.Chr.)
  • Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
    Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
  • Caesartempel (29 v.Chr.)
    Caesartempel (29 v.Chr.)
  • Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
    Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)

Errichtung: 42 - 29 v.Chr.

Umbauten: kleinere Baueingriffe in der folgenden Kaiserzeit (augusteische Zeit und später?)

Funktion: Kultbau, Rednertribüne, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Augusteisch II Flavisch Severisch Tetrarchisch Antoninisch


Einst als Heroon für den ermordeten C. Iulius Caesar geplant wurde der Tempel im Laufe des Ausbaus des Forums unter Augustus mehr und mehr zum zentralen Repräsentationsbau des neuen iulischen Herrschergeschlechtes und des ersten Kaisers Roms.

Geschichte

Ausgangspunkt für den Tempelbau war die Verbrennung des Leichnams Caesars wenige Tage nach seiner Ermordung am 15.3.44 v.Chr. (Iden des März): Im Anschluss an die Leichenrede des Marc Anton auf dem Forum beschloss das aufgebrachte Volk spontan, den Leichnam an der Ostseite des Forums vor der Regia zu verbrennen. Unmittelbar danach errichteten die Caesaranhänger an dieser Stelle einen Altar sowie eine Säule, an der Caesar fortan kultisch verehrt werden sollte. Die Kultstätte avancierte jedoch schnell zum Politikum: Die Anhänger der Caesarmörder, darunter der neue Consul von 44 v.Chr., Dolabella, ließen Altar und Säule kurz darauf wieder abreißen; Volk und Veteranen Caesars forderten erneut die Wiederherstellung der Kultstätte – ein Anliegen, das auch die Triumvirn Marc Anton, Octavian (der spätere Augustus) und Lepidus, die sich als politische Erben Caesars verstanden, unterstützten. Im Jahr 42 v.Chr. wurde der ermordete Caesar schließlich vom Senat divinisiert und fortan als divus Iulius verehrt. Für den Kult des nun endgültig vergöttlichten Caesars wurde entsprechend der Bau eines Tempels an der Stelle des Altars beschlossen.

Fertiggestellt und eingeweiht wurde der Tempel jedoch erst viele Jahre später, nachdem Octavian durch seinen Sieg über Marc Anton und Cleopatra bei Actium 31 v.Chr. die Alleinherrschaft gewonnen hatte. Direkt im Anschluss an seinen dreifachen Triumphzug wurde der Tempel am 18.8.29 v.Chr. eingeweiht. Der hochaufragende Tempelbau nahm die Mitte des östlichen Abschlusses des Forumsareals ein und bildete fortan die neue Begrenzung des Forums im Osten.

Ideologische Bedeutung

Zum Zeitpunkt der Einweihung hatte sich die einstige Bedeutung des Tempelbaus für den späteren Augustus, wie Octavian seit 27 v.Chr. hieß, jedoch relativiert: Am Anfang seiner politischen Karriere, im Schatten des mächtigen Marc Anton, war es für Octavian noch immens wichtig gewesen, sich auf seinen divinisierten Adoptivvater Caesar zu berufen und sich als dessen legitimer Nachfolger und Sohn (divi filius) zu inszenieren. In diesem Kontext unterstrich der Tempel des divus Iulius am Forum als unübersehbares Argument den politischen Anspruch des Caesarsohnes. Doch nachdem seine Alleinherrschaft durch den Sieg bei Actium gefestigt war, wurde für Augustus der politische Rekurs auf Caesar zunehmend unwichtiger – und der Verweis auf die eigenen militärischen Erfolge umso zentraler. Entsprechend kam es nun bei der Einweihung des Baus zur partiellen Umfunktionalisierung des Tempels: Denn Augustus ließ auch Teile der Beute aus seinen Siegen im Tempel weihen und machte den Bau somit zugleich zu seinem Siegesmonument. Besonders prominent inszeniert waren dabei die Schiffsschnäbel (rostra) der bei Actium besiegten Flotte , die an der Vorderseite des Podiumssockels angebracht waren – und das Erscheinungsbild der Rostra Augusti an der Westseite des Forums zitierten: So wie dort die Schiffschnäbel auf den Sieg über Antium im mittleren 4. Jh. v.Chr. verwiesen, so verweisen die beim Caesartempel nun auf den aktuellen Sieg des Augustus und reihen diesen programmatisch in die Folge herausragender Siege Roms ein.

Funktion

Fortan zeichnete den Tempel eine funktionale Mehrdeutigkeit aus: Einerseits war er der Kultort für die Verehrung des divinisierten Caesar, andererseits diente er als Siegesmonument des neuen Princeps Augustus und hielt dessen politischen Herrschaftsanspruch am Forum allzu präsent. Schließlich war dem Tempel auch noch eine Rednertribüne vorgelagert, von der aus zu verschiedenen Anlässen Ansprachen gehalten wurden: Damit avancierte der Bau zum Pendant der eigentlichen Rednertribüne, den Rostra Augusti, auf der Westseite der Forumsfläche. Die Nutzung des Tempels als alternativer Ort öffentlicher Ansprachen unterstrich ihrerseits wiederum den repräsentativen Anspruch des neuen Herrschergeschlechts der Iulier am Forum.

Architektur

Eine eindrucksvolle architektonische Inszenierung des Tempels untermauerte den mit dem Bau intendierten politisch-repräsentativen Anspruch. Zwar war der Tempel von nur mittlerem Ausmaß, bedingt durch die vergleichsweise kleine Baufläche, die an der Ostseite zur Verfügung stand. Doch gelang es, den Tempel durch einen zweistöckigen Podiumsunterbau entsprechend in die Höhe zu erheben. Sechs Säulen schmückten die Tempelfront, die enge Stellung der Säulen unterstrich nochmals mehr das Erscheinungsbild eines hochaufragenden Tempels. Prächtige Marmorverkleidung zierte den Tempelbau. Treppen an den seitlichen Längsseiten führten wohl von hinten hinauf auf die erste Fläche des Podiums, die gleichzeitig als Tribüne genutzt wurde; von dort führten in der Mitte wiederum Treppen hoch zum eigentlichen Tempel. Auf der Vorderseite des unteren Podiums befand sich in der Mitte ursprünglich eine halbrunde Nische, in der der alte Altar der einstigen Kultstätte von 44 v.Chr. stand. Zu einem späteren Zeitpunkt (am wahrscheinlichsten in augusteischer Zeit) wurde bemerkenswerterweise die Nische zugemauert und der Altar wohl hoch auf das Podium versetzt. (zu den einzelnen Phasen s.u.)

Ruine

Von der einst prächtigen Architektur des Tempels ist nur noch wenig überliefert. Vornehmlich erhalten ist vom Sockel des Baus nur noch ein dreiteiliger Kern aus Opus Caementicium, die aufgehende Architektur ist mit Ausnahme weniger Fragmente der Marmorverkleidung verloren. Da jedoch der Caementiciumkern im Negativ den Verlauf der tragenden Mauern überliefert, lässt sich auf dieser Grundlage, sowie unter Hinzuziehung der architektonischen Fragmente und literarischer Quellen, das Erscheinungsbild des Tempels in großen Teilen weitgehend sicher rekonstruieren. (zu Bildern der heutigen Ruine s.u.)

(SM)

 

Druckversion

Zitieren nach: Muth, Susanne. „Der Caesartempel“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/caesartempel/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Phase 1

  • Caesartempel, topographischer Kontext (um 29 v.Chr.)
    Caesartempel, topographischer Kontext (um 29 v.Chr.)
  • Caesartempel (29 v.Chr.)
    Caesartempel (29 v.Chr.)
  • Caesartempel (29 v.Chr.)
    Caesartempel (29 v.Chr.)
  • Caesartempel (29 v.Chr.)
    Caesartempel (29 v.Chr.)


Phase 1: Frühaugusteischer Tempel

Der 29 v.Chr. eingeweihte Tempel ist als ein prostyler Podiumstempel zu rekonstruieren, der sich auf einem weiteren Podiumsunterbau erhob. Sechs eng gestellte Säulen wohl in korinthischer Ordnung standen in der Front, zwei weitere an den Seiten. Da für den Treppenaufgang hoch in die Tempelvorhalle wenig Platz bestand, wurden die oberen Treppen in die Zwischenräume zwischen die Säulen (Intercolumnien) eingeschnitten. Aufgrund der vergleichsweise geringen Fläche, die für die rückwärtig gelegene Tempelcella (eigentlicher Innenraum) zur Verfügung stand, waren die Cellamauern bis an die Außenseite des Tempelpodiums vorgezogen (= prostyler Tempel); Pilaster waren den Ecken der Cellawände vorgeblendet.

Der untere Podiumsbau diente zugleich als Tribüne und ragte an der Nord-, West- und Südseite über die Fläche des eigentlichen Tempels hinaus. Der Zugang zu dieser Tribüne erfolgte wohl über Treppen an den seitlichen Längsseiten. Die Vorderseite der Tribüne war mit den Rammspornen von Actium geschmückt. In der Mitte öffnete sich eine halbrunde Nische, in der der Altar der einstigen Kultstätte von 44 v.Chr. stand. Aufgrund der Nutzung der Tribüne als Rednertribüne ist zumindest an den Seiten der Front eine Balustrade (wohl am ehesten aus Holz) zu rekonstruieren, wie sie ähnlich auch für andere Rostra wie etwa die Rostra Augusti überliefert ist.

Phase 2

  • Caesartempel mit mittel-/spätaugust. Umbauten, topographischer Kontext (um 14 n.Chr.)
    Caesartempel mit mittel-/spätaugust. Umbauten, topographischer Kontext (um 14 n.Chr.)
  • Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
    Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
  • Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
    Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
  • Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)
    Caesartempel mit Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit (ab 19 v.Chr.)


Phase 2: Spätere Umbauten ab mittelaugusteischer Zeit

Stand der Caesartempel zunächst vergleichsweise frei an der Ostseite des Forums, so bewirkten die später entstanden Bauten wie der Partherbogen im Süden und die Basilica Paulli im Norden, dass der Caesartempel nun stärker von eng anschließender Architektur gerahmt erschien. Dies hatte wohl auch Konsequenzen für die Position der Treppenaufgänge, die aufgrund der dem Tempel vorgelagerten, die normale Option einer Fronttreppe ausschließende Rednertribüne auch in der ursprünglichen Konzeption bereits ungewöhnlich gestaltet waren. Die für den Bau der ersten Phase angenommene Stelle, an der der Aufgang zu den seitlichen Treppen nach den üblichen Maßen von Treppenanlagen dieser Zeitstellung plausibel gemacht werden kann, kollidierte nun mit den beiden Bogenstrukturen, die nördlich und südlich an die Längsseiten des Caesartempels herangerückt worden waren. Daher ist es denkbar, dass damals schon kurz nach der Erbauung des Tempels eine Veränderung des Zugangs erfolgte: In unserer Rekonstruktion schlagen wir eine Verlängerung des zu den Treppen hinführenden Korridors nach Osten vor – und damit eine Verschiebung des Zugangs östlich des Partherbogens und der Bogenstruktur bei der Basilica Paulli. Aufgrund der Datierung dieser Bauten in die mittel- bzw. spätaugusteische Zeit wäre dieser angenommene Eingriff in eben jene Zeit auch anzusetzen.

Weitaus weniger klar in seiner Datierung ist ein zweiter Eingriff, der zudem das Erscheinungsbild des Caesartempels nachhaltiger veränderte: Die einst halbrunde Nische in der Mitte der Front der Tribüne wurde mit Tuffquadern zugemauert – und der Altar wohl hoch auf das Podium versetzt (um den Fortgang des Kultbetriebs zu gewährleisten. An der neu zugemauerten Partie wurden keine Rammsporne angebracht. Die Datierung dieses Eingriffs wird in der Forschung kontrovers diskutiert, wobei jeweils eine Distanzierung von Caesar bzw. dem ihm geweihten Kult als Grund vorgeschlagen wird und hieraus historische Konstellationen gesucht werden, in denen eine solche Distanzierung möglich erscheint. Vorgeschlagen wurde sowohl eine Zumauerung erst in der Spätantike, im Zuge der Christianisierung und damit Abwendung von den paganen Kulten, als aber auch eine Datierung schon in die fortgeschrittene augusteische Zeit, als der neue Herrscher den Rückbezug auf den divinisierten Adoptivvater weniger als ideologisches Argument in seiner Selbstdarstellung benötigte. Im Unterschied zu diesen diskutierten Erklärungen wollen wir eine weitaus pragmatischere Lösung vorschlagen: Dass ausgerechnet die Mitte des unteren Podiums nischenförmig zurückspringt, um dem Altar Platz zu machen, konterkariert in hohem Maße dessen Nutzung als Rednertribüne, wäre dies doch genau der Ort, wo eigentlich der Redner stehen sollte. Die Schließung dieser Nische erlaubte hingegen das Nachvorneziehen der Tribünenfläche in der Mitte und damit eine Optimierung der Nutzung der Rostra. Es scheint uns denkbar, dass eventuell auch dies der Grund für den Eingriff war.

Phase 3

  • Caesartempel im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
    Caesartempel im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
    Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
  • Caesartempel im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
    Caesartempel im Kontext der heutigen Ausgrabungsstätte
  • Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
    Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
  • Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
    Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
  • Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
    Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
  • Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild
    Caesartempel, heutiges Erscheinungsbild


Ruine

Phase 6

Virtuelles Modell vom Caesartempel

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Georgia Bousia, Erika Holter, Maria Kames)

 

Ausgewählte Bibliographie

B. Andreae, Archäologische Funde und Grabungen im Bereich der Soprintendenza von Rom 1949-1956/57, Archäologischer Anzeiger 1957, 119-358.

F. Coarelli, Il Foro Romano II. Periodo repubblicano e augusteo (Rom 1985) 172-175, 265-269, 308-314.

Digital Roman Forum, Iulius Divus, Aedes, http://dlib.etc.ucla.edu/projects/Forum/reconstructions/IuliusDivusAedes_1

P. Gros, Aurea templa. Recherches sur l’architecture religieuse de Rome à l’époque d’Auguste (Paris 1976) 201-207.

P. Gros, Iulius, Divus, aedes, in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae 3 (Rom 1996) 116-119.

E. Holter, Der Caesartempel auf dem Forum Romanum, in: BesTaR (erscheint demnächst).

O. Richter, Die Augustusbauten auf dem Forum Romanum, Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 4, 1889, 137-151.

B. Steinmann, R. Nawracala, M. Boss, Im Zentrum der Macht. Das Forum Romanum im Modell (Erlangen-Nürnberg 2011) 72-75.

P. Zanker, Forum Romanum. Die Neugestaltung durch Augustus (Tübingen 1972) 8, 12-14.

P. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder (München 1987) 44, 80, 86-88.

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