Basilica Opimia



Übersicht

  • Basilica Opimia in der Späten Republik (um 100 v.Chr.), topographischer Kontext
  • Basilica Opimia in der Späten Republik (um 100 v.Chr.), topographischer Überblick
  • Spätrepublikanische Basilica Opimia (121 v.Chr.)

Errichtung: 121 v.Chr. im Zuge der Restaurierung des Concordiatempels errichtet

Umbauten: wahrscheinlich 7 v.Chr. - 10 n.Chr. Abriss im Zuge des augusteischen Neubaus des Concordiatempels

Funktion: Hallenbau, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Späte Republik II


Im Jahre 121 v.Chr. weihte der Consul L. Opimius den von ihm neu errichteten Concordiatempel ein. Im Zuge dessen ist wohl auch die nach ihm benannte Basilica Opimia entstanden, die sich neben dem neuen Tempel befand. Ihre Geschichte blieb eng mit der des Tempels verbunden: Als der Concordiatempel in augusteischer Zeit (7 v.Chr. – 10 n.Chr.) abgerissen und neu erbaut wurde, wobei dieser sich in seiner Baufläche vergrößerte, wurde die dicht neben dem alten Tempel stehende Basilica des Opimius wahrscheinlich ebenfalls abgerissen. An ihrer Stelle entstand dann später in flavischer Zeit der Vespasianstempel.

Geschichte und Funktion

In den bürgerkriegsartigen Kämpfen zwischen den Optimaten (Mehrzahl der Senatoren) und  Popularen (Unterstützer des Volkes) in der Späten Republik errang der Consul und Optimat L. Opimius mit roher Waffengewalt den Sieg über C. Gracchus und dessen Anhänger. Wie drastisch diese Kämpfe und wie brutal der Sieg waren, zeigt sich darin, dass darauf durch die Entscheidung eines Tribunals nicht weniger als 3000 Menschen zum Tode verurteilt wurden.  Im Kontext dieses innerstädtischen und gewaltsamen Konfliktes muss der Neubau des Concordiatempels im Jahr 121 v.Chr. verstanden werden, der nun als Siegesmonument des politischen Triumphes gegen die Reformvorstöße der Gracchen und Popularen fungierte, und die erzwungene Eintracht (lat. concordia) in Rom am Westende des Forums markant inszenierte (s. Concordiatempel). Wie der Bau der Basilica in diesem historischen Kontext zu verstehen ist, ist schwer zu beurteilen. Fest steht aber, dass beide Bauten von demselben Politiker in einem relativ engem topographischen Verhältnis (s.u.) gestiftet wurden, die Basilica also sicher ebenso wie der Tempel als Monument des Prestiges und Triumphes für L. Opimius und allgemeiner für die Senatsaristokratie diente.

Im Gegensatz zu anderen Basilica-Bauten erlaubt es die schlechte Überlieferungslage nicht, eine spezifische Funktion für die Basilica Opimia  festmachen. Man wird von einer Nutzung für merkantile und/oder administrative Handlungen ausgehen können, wie es allgemein für spätrepublikanische Basiliken typisch ist. Denkbar aber ist ebenso, dass der Bau des Opimius vor allem als Repräsentationsbau und entsprechend flexibel für verschiedene Handlungen genutzt wurde (vergleichbar mit dem Versammeln der Senatoren vor einer Senatssitzung im Tempel der Concordia). Bei der Frage nach der funktionalen Bestimmung der Basilica ist in jedem Fall auch mitzubedenken, dass das Gebäude für das Geschehen auf dem Forum offenbar nicht allzu unverzichtbar war, da es gut 100 Jahre später schon wieder aufgegeben wurde. Die Forschung geht davon aus, dass beim Neubau des Concordiatempels und dessen Vergrößerung durch den späteren Kaiser Tiberius um 10 n.Chr. die Basilica aufgrund des nun benötigten Platzes weichen musste. Die Verzichtbarkeit der Basilica Opimia zu diesem Zeitpunkt mag auch damit zusammenhängen, dass in der ausgehenden späten Republik und frühen Kaiserzeit mit der Basilica Paulli auf der Nordseite und der Basilica Iulia auf der Südseite zwei prachtvolle Hallenbauten, ebenso wie nördlich des Forum Romanum das Forum Iulium sowie daran anschließend das Forum Augustum, entstanden waren. Es existierten somit zahlreiche alternative Räume für die öffentliche Nutzung, die die früheren Basilica-Bauten am Forum möglicherweise überflüssig machten.

Lokalisierung

Obwohl die Existenz der Basilica Opimia aufgrund von schriftlichen Überlieferungen als gesichert gelten kann, wurden bisher keine archäologischen Reste für diesen Bau identifiziert. Nicht einmal die genaue Lage der Basilica konnte bisher zweifelsfrei bestimmt werden, was eine denkbar schlechte Ausgangslage für eine Rekonstruktion darstellt. Je nachdem, wofür man sich entscheidet, stellen das Gelände und die zur Verfügung stehende Fläche schließlich andere Ansprüche an die Rekonstruktion des Baus.

Der wahrscheinlich enge topographische Zusammenhang zwischen den beiden opimischen Bauten, Corcordiatempel und Basilica Opimia, geht aus den Erwähnungen antiker Autoren eindeutig hervor. Da der Standort des opimischen Concordiatempels  bekannt ist, bleibt die Frage, an welcher der Seiten des Tempels sich die Basilica ehemals befand. Im Norden und im Osten wurde der Tempelbereich nachweislich durch antike Straßenführungen begrenzt, weshalb diese Himmelsrichtungen für eine Lokalisierung der Basilica ausscheiden. Eine Positionierung (nord-)westlich des Concordiatempels erscheint ebenso fragwürdig, da sich im Westen hinter dem Tempel gleich das Capitol erhebt und somit nur wenig Raum für eine Basilica zur Verfügung stehen würde. Auch die Gleichsetzung der Basilica mit dem Tempelbau, wie es vereinzelt vorgeschlagen wurde, ist abzulehnen, sprechen doch die antiken Quellen zweifelsfrei von zwei unabhängigen Bauten. Als einzige plausible Möglichkeit für die Lokalisierung der Basilica Opimia erscheint somit der Bereich südlich des Concordiatempels, der mit seiner Lage am Aufgang der Straße hoch zum Capitol (clivus Capitolinus) eine durchaus prominente und wirkungsvolle Position für den Repräsentationsbau des Opimius bot.

Später wird dieses Areal durch den Vespasianstempel okkupiert. Erkenntnisse über die Vorgängerbebauung des Vespasianstempels konnten archäologisch bisher nicht nachgewiesen werden. Jedoch ist anzunehmen, dass eine so prestigeträchtige Lage am Westende des Forum Romanum entsprechend schon in früherer Zeit genutzt wurde. Schließlich gewinnt dieses Areal zusätzliche Prominenz mit der Versetzung der Rostra durch Caesar an die Forumswestseite, so dass es nur konsequent erscheint, wenn in der frühen Kaiserzeit die Westseite des Forums durch Bauten des Princeps Augustus und seiner Familie okkupiert wird und Vorgängerbauten anderer aristokratischer Familien sukzessive abgerissen werden (diese Tendenz ist auch auf den anderen Forumsseiten mit den beiden Basilica-Bauten im Norden und Süden sowie dem Caesartempel im Osten zu beobachten, s. Augusteische Epoche II).

Rekonstruktion

Die vage Vorstellung von der für die Basilica Opimia zur Verfügung stehenden Fläche, nämlich dem Areal zwischen der Porticus Deorum Consentium, dem Saturntempel und dem Concordiatempel, ist leider die einzige Grundlage für die Rekonstruktion des Grundrisses und der aufgehenden Architektur am Forum selbst. Angesichts dessen greift die Rekonstruktion hier auf besser überlieferte Basilica-Bauten der Zeit in verschiedenen Städten Italiens (wie etwa Alba Fucens, Cosa oder Pompeji) als Vergleiche zurück: Diese überliefern eine ungefähre Vorstellung  vom „typischen“ Aussehen einer Basilica aus der Zeit der späten Republik (gleichwohl diese verschiedenen Vergleichsbauten untereinander ebenfalls variieren). Auch nennt der augusteische Schriftsteller Vitruv in seiner architekturtheoretischen Schrift Idealmaße für die Proportionen solcher Basilica-Bauten, doch lassen sich diese meist nicht mit den real erhaltenen Bauten in Einklang bringen, weshalb seine Angaben nur bedingt für die Rekonstruktion herangezogen werden können.

Typisch für spätrepublikanische Basilica-Bauten ist, dass der Innenraum durch eine Säulenstellung in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe geteilt wird. Auch die Außenmauern des Gebäudes können durch Säulenstellungen ersetzt werden, so dass gar kein eigentlicher abgeschlossener Innenraum entsteht.

Vorgeschlagen wird hier für die Basilica Opimia die Rekonstruktion eines dreischiffigen und zweigeschossigen Hallenbaus, angepasst an das zur Verfügung stehende Areal von ca. 41 x 25 m: Diese Rekonstruktion muss freilich sehr hypothetisch bleiben, entspricht aber den gegebenen Rahmenbedingungen der Topographie, der zur Verfügung stehenden Fläche und den Vergleichsbeispielen  zeitgleicher Basilica-Bauten am ehesten. Mit den für die Rekonstruktion vorgeschlagenen Maßen von 41 m Länge, 25 m Breite und ca. 16 m Höhe erscheint die Basilica im Vergleich zu den monumentalen Hallenbauten an den Langseiten des Forums (Basilica Fulvia, Basilica Sempronia) verhältnismäßig klein – wahrt aber umgekehrt die Proportionen zum benachbarten Concordiatempel des Opimius: Denn diesen galt es nicht zuletzt, durch den benachbarten Basilica-Bau in seiner repräsentativen Wirkung in Szene zu setzen, statt ihn in den Schatten einer übergroßen Basilica zu stellen.

(JB, SH)

 

Druckversion

Zitieren nach: Bartz, Jessica – Horacek, Sophie. „Die Basilica Opimia“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/basilica-opimia-2/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Jessica Bartz, Henriette Engel, Sophie Horacek)

 

Ausgewählte Bibliographie

A. M. Ferroni, Basilica Opimia, in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae I (Rom 1993) 183.

C. Gasparri – S. Allegra Dayan, Aedes Concordiae Augustae, I Monumenti romani 8 (Rom 1979).

G. Hafner, Aedes Concordiae et Basilica Opimia, Archäologischer Anzeiger 1984, 591–596.

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