Actiumbogen



Übersicht

  • Actiumbogen (29 v. Chr.)

Errichtung: nach 31 v. Chr.

Umbauten: teils wurde in der Forschung ein Umbau in den späteren Partherbogen vorgeschlagen

Funktion: Ehrenbogen, Repräsentationsbau

Historischer Kontext: Augusteisch II Flavisch Antoninisch


Mit dem Ehrenbogen, der Augustus für seinen Seesieg bei Actium verliehen wurde, bekam die Praxis der Ehrenmonumente auf dem Forum eine grundsätzlich neue Qualität. Um so ernüchternder für die Erforschung des Forums unter Augustus ist es, dass jener Actiumbogen bisher nicht sicher lokalisiert ist, noch ihm überlieferte Baufragmente sicher zugewiesen werden können. Die Diskussion um dieses Monument basiert vorerst nur auf sekundären Quellen, literarischen Überlieferungen sowie der Darstellung des Bogens auf einer zeitgenössischen Münze. Aber schon allein diese Grundlage lässt erkennen, welch aufsehenerregender Bau dieser Bogen einst gewesen sein muss, als er am Forum errichtet wurde.

Geschichte und Bedeutung des Baus

Neu am Actiumbogen war seine explizite Ausgestaltung als ein Monument, das auf die Feier eines militärischen Triumphs verwies. Dies geschah mittels seiner statuarischen Bekrönung durch eine Triumphalquadriga. Hierin unterschied sich dieser Bogen deutlich von den älteren republikanischen Bogenmonumenten wie etwa dem Fornix Fabianus am Forum. Vor der Schlacht bei Actium wurden erfolgreiche Feldherrn und Flottenadmirale durch die Aufstellung von Ehrenstatuen bzw. (als besondere Heraushebung) durch die Errichtung von Ehrensäulen (teils mit Rammspornen geschmückt, s. Columnae rostratae des Augustus; Comitium) ausgezeichnet. Ferner stifteten die siegreichen Triumphatoren selbst wiederum Beuteteile wie Rammsporne der erbeuteten Flotte oder Schilde der Gegner als Schmuck für Bauten am Forum (s. z.B. Rostra Augusti, Tabernae), um hierüber ebenfalls auf ihren militärischen Erfolg zu verweisen. Die Errichtung eines Bogenmonuments jedoch als explizites Instrument zur Memorierung eines Triumphes am Forum war eine aufsehenerregende Neuerung.

Dieser Umstand macht deutlich, wie gründlich die Umsetzung der ideologischen Feier des actischen Seesieges geplant wurde. Octavian griff dabei den bisher seit der mittleren Republik praktizierten Brauch auf, Ehrenmonumente auf dem Forum aufzustellen, die an einen persönlichen militärischen Erfolg erinnerten – doch er verband als Erster den Ehrenbogen eng mit der eigentlichen Triumphfeier. Welche Bedeutung dieses Ehrenmonument hatte, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass dieses natürlich auf Beschluss des Senats erfolgte: Damit sanktionierte und legitimierte der Senat ganz offiziell den Sieg Octavians im Bürgerkrieg – und diese Legitimierung war fortan für jedermann am Forum in einer visuell permanenten und kaum zu übersehenden Gestalt präsent.

Historischer Kontext und Funktion

Mit dem Sieg bei Actium über Marc Anton und die ägyptische Königin Cleopatra im Jahr 31 v. Chr. sowie mit der anschließenden Einrichtung Ägyptens als römische Provinz im Jahr 30 v. Chr. beendete Octavian die Bürgerkriege und erlangte die faktische Alleinherrschaft in Rom. Er sicherte damit die Getreidezufuhr und konnte seine Soldaten ausgiebig entlohnen. Hierfür bekam er einen Triumph über Cleopatra sowie einen Triumph für die Unterwerfung Ägyptens verliehen. Des Weiteren wurde er vom Senat durch zwei Ehrenbögen ausgezeichnet, einer in Brundisium, der andere auf dem Forum Romanum in Rom. In Brundisium, am Ende der Via Appia, hatte Octavian nach dem Sieg bei Actium zum ersten Mal wieder italischen Boden betreten.

Der unschöne Umstand, dass Octavian bei Actium nicht nur gegen die ägyptische Königin, sondern auch und vor allem gegen die römischen Truppen des Marc Anton gekämpft hatte, wurde versucht, durch eine geschickt ausgelegte Triumphfeier aus dem öffentlichen Gedächtnis zu verbannen. So feierte Augustus 29 v. Chr. einen dreifachen Triumph über Dalmatien (37-35 v. Chr.), Actium (31 v. Chr.) und Ägypten (30 v. Chr.), wobei der dritte Triumphzug anlässlich der Provinzialisierung Ägyptens den Höhepunkt der dreitägigen Feier bildete. Entsprechend stellte dieser die vorhergehenden Triumphe durch die mitgeführten Beutestücke und die vorgeführten Kriegsgefangenen deutlich in den Schatten. Durch die Zusammenführung  aller drei Triumphe wollte Octavian also den Sieg über Marc Anton in Erfolge über auswärtige Feinde eingebunden sehen. Eine explizite Nennung des Marc Anton wurde vermieden. Daher ist anzunehmen, dass auch der Actiumbogen, den der Senat Octavian zu Ehren auf dem Forum Romanum genehmigte, nicht den im Bürgerkrieg errungenen Sieg thematisierte, sondern ebenso wie die triumphale Feier nur die Besiegung der äußeren Feinde gepriesen hat. Durch die Auslegung der Schlacht von Actium als Sieg über die ägyptische Königin Cleopatra handelte es sich zusammen mit der Provinzialisierung  strenggenommen um einen doppelten Erfolg gegen den äußeren Feind Ägypten. Und um von dieser Diskrepanz abzulenken, benannte Octavian entgegen der bisher üblichen Praxis seinen Sieg auch nicht nach den Besiegten, sondern nach den Orten der Entscheidungsschlacht – ex Actio und ex Aegypto. Auch hier zeigt sich, wie sehr nach innovativen Möglichkeiten gesucht wurde, um die Monumente des Siegers vom Blut des Bürgerkrieges reinzuwaschen.

Lokalisierung

Die sichere Lokalisierung des Actiumbogens muss vorerst offen bleiben, da die literarische Überlieferung als Standort lediglich das Forum Romanum nennt. Grundsätzlich sind verschiedene Bereiche am Forum denkbar – allerdings lassen die topographischen Gegebenheiten bestimmte Orte wie etwa das Areal beim Comitium und der neuen Rednertribüne als attraktiver und daher plausibler erscheinen als manch andere. Ebenso ist bei der Suche nach dem Standort auch zu bedenken, dass noch keine Spuren des Bogens gefunden wurden, was besonders solche Areale in den Blick nehmen lässt, die bislang noch nicht ausgegraben sind. Aus der Summe dieser Überlegungen schlagen wir daher in unserem Modell vorläufig vor, den Actiumbogen an der Nordwestecke des Forums in der Nähe des Comitiums, den Rostra Augusti und der Curia zu positionieren.

Dieser Ort scheint für die Errichtung eines Bogenmonuments zu Ehren des Seesiegs bei Actium in besonderem Maße geeignet zu sein – und dies gleich aus mehreren Gründen: Zum einen war das Areal beim Comitium seit alters her der prominenteste Bereich am Forum, wo sich Ehrenmonumente konzentrierten. Hier mochte das Monument des Augustus in den Dialog mit älteren republikanischen Siegesmonumenten treten, soweit sie damals noch standen – vor allem auch mit solchen, die ebenfalls Seesiege feierten, wie etwa die Columna rostrata des Duilius oder die Rammsporne von Antium und späteren Seesiegen, die nun an den Rostra Augusti angebracht waren. Dazu war dieser Bereich auch für die aktuellen Feiern der Triumphzüge höchst attraktiv, da eben hier südlich des Comitium seit jeher die Route des Triumphzuges verlief – der Sieg und Triumph des Augustus wurde somit bei jeder neuen Feier mit aktualisiert. Und schließlich hatte Augustus auch die benachbarte Curia sehr gezielt instrumentalisiert, um mittels Statuenaufstellungen und der Zurschaustellung von Teilen der ägyptischen Beute seinen Sieg bei Actium und seine dadurch gewonnene Vorherrschaft in Rom zu demonstrieren.

Alternativ hat die Forschung bei der Suche nach dem Actiumbogen am Forum den Vorschlag diskutiert, dass dieser Bogen einst an der Stelle des späteren Partherbogens südlich des Caesartempels stand, dann jedoch anlässlich dessen Errichtung abgerissen bzw. in den neuen Bau integriert worden sei. Diese Annahme, die vor allem auf einer Fehlinterpretation von Fundamentresten östlich des Partherbogens basierte, konnte jedoch auf der Grundlage der Befunde als nicht haltbar zurückgewiesen werden.

Rekonstruktion

Eine stadtrömische Münzprägung aus der Zeit von 29-27 v.Chr. zeigt einen eintorigen Bogen, der mit dem Actiumbogen zu identifizieren ist. Besonders auffällig ist dabei die betonte Darstellung der Bekrönung des Bogens mit einer Quadriga und dem in ihr stehenden Triumphator. In den Zwickeln erscheinen fliegende Victorien. Auf den Pfeilern des Bogens sind schließlich runde Tondi zu sehen: Dies alles weist auf einen reichen Skulpturenschmuck dieses Bogens hin. Eine Rekonstruktion des Actiumbogens alleine auf der Grundlage einer Münzdarstellung vorzunehmen muss zwangsläufig zu einem eher hypothetischen Ergebnis führen. Hilfreich sind Vergleiche mit anderen spätrepublikanischen und frühkaiserzeitlichen Bogenmonumenten, um zumindest Annäherungswerte für die Proportionierung und die grundsätzliche Anlage des Bogens zu gewinnen: Hierauf basiert auch unser Rekonstruktionsvorschlag im Modell. Eine differenzierte Rekonstruktion ist bis auf weiteres nicht möglich, solange vor Ort keine Fundamente und Reste der Architektur bzw. Bauornamentik diesem Bogen zugewiesen werden können.

(SH)

 

Druckversion

Zitieren nach: Horacek, Sophie. „Der Actiumbogen“, digitales forum romanum, http://www.digitales-forum-romanum.de/gebaeude/actiumbogen-2/ (abgerufen am Tag.Monat.Jahr)

Ausführlichere Besprechung und wissenschaftliche Rekonstruktion im Wiki des digitalen forum romanum (Sophie Horacek)

 

Ausgewählte Bibliographie

S. De Maria, Gli archi onorari di Roma e dell’Italia Romana (Rom 1988) 267-268.

R. A. Gurval, Actium and Augustus. The politics and emotions of civil war (Ann Arbor 1995) 36-47.

E. Nedergaard, Zur Problematik der Augustusbögen auf dem Forum Romanum, in: M. Hofter (Hrsg.), Kaiser Augustus und die verlorene Republik. Eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, Berlin, 7. Juni – 14. August 1988 (Berlin 1988) 224-239.

E. Nedergaard, Arcus Augusti (a. 29 a.C.), in: E.M. Steinby (Hrsg.), Lexicon Topographicum Urbis Romae I (Rom 1993) 80-81.

J. W. Rich, Augustus’s Parthian honours. The temple of Mars Ultor and the arch in the Forum Romanum, Papers of the British School at Rome 66, 1998, 69-128.

O. Richter, Die Augustusbauten auf dem Forum Romanum, Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts 4, 1889, 137-162.

M. Roehmer, Der Bogen als Staatsmonument. Zur politischen Bedeutung der römischen Ehrenbögen des 1. Jhs. n. Chr, Quellen und Forschungen zur Antiken Welt 28 (München 1997) 19-32.

B. Steinmann – R. Nawracala – M. Boss, Im Zentrum der Macht. Das Forum Romanum im Modell (Erlangen-Nürnberg 2011) 143-147.

P. Zanker, Augustus und die Macht der Bilder (München 1987) 61-65.